Die-Fans.de

Stadien, Fans und Leidenschaft - Regionaler Fußball pur

Du bist hier:  Süden | Startseite » Aktuell » Artikel
Sonderpreis für Schwarzer Hals Gelbe Zähne - Nur noch 19,53 Euro - Jetzt zugreifen!!
Die Kultreihe über die Fußballfans der SG Dynamo Dresden - Die Faszination SGD in drei Bänden
  • SV 1916 Sandhausen, 30. September 2010

     
    „Bin voll und ganz für den SV da“

    Zu Saisonbeginn wurde Torwart Frederic Löhe von Borussia Mönchengladbach an den Fußball-Drittligisten SV Sandhausen ausgeliehen. Trotz einiger starker Leistungen läuft es dort aber noch nicht rund für den 22-jährigen Keeper, die Elf vom Hardtwald steht mit zehn Punkten nur auf dem 15. Rang. Wie Löhe die bisherigen Spiele gesehen hat und wie er seine eigene Leistung dabei einschätzt, dazu stand er nun Rede und Antwort.

    Guten Tag Frederic Löhe. Wie beurteilst Du die Leistung beim 0:2 in Wiesbaden, offensiv wie defensiv?

    Das Gesamtpaket hat diesmal gar nicht gestimmt, wir haben kein gutes Spiel gemacht. Wir haben das die letzten drei Tage aufgearbeitet und wir können absolut nicht zufrieden sein. Defensiv hatte Wehen nach zwei Minuten eine Torchance, als sie alleine auf mich zulaufen, danach hatten wir nicht viel zugelassen. In der zweiten Halbzeit hatten sie noch eine Torchance, aber aus vier Chancen machten sie zwei Tore und wir hatten kaum Aktionen nach vorne. Allgemein war das wirklich ein schlechtes Spiel von uns.

    Gibt es klare Ansätze beim Training, wie Ihr Euch spielerisch steigern könnt?

    Der Trainer gibt uns klare Vorgaben, das haben wir in Wehen leider gar nicht umgesetzt. Gegen Bayern hat man schon gesehen, dass wir wollen. Vom Willen her kann man uns auch gar nichts vorwerfen, aber spielerisch war das wirklich ganz schlecht.

    Woraus beziehst Du die meiste Hoffnung, dass es gegen Jahn Regensburg am Samstag besser wird?

    Ich denke, Hoffnung ist ein falsches Wort. Man sieht im Training, dass die Qualität stimmt. Die Spiele, die wir gewonnen haben, haben gezeigt, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben. Jetzt müssen wir nur einen guten Zwischenweg finden, wie wir das Kämpferische und Spielerische miteinander verbinden, dann bin eigentlich guten Mutes für das Regensburg-Spiel.

    Was fällt Dir zu Regensburg bezüglich Stärken und Schwächen ein?

    Defensiv stehen sie relativ gut, Torhüter Michael Hofmann spielt eine gute Saison. Zuhause waren sie ziemlich eiskalt, auswärts habe ich sie nicht so direkt verfolgt. Das ist eine Mannschaft, die wiederum zweikampfmäßig sehr aggressiv ist und da müssen wir dagegenhalten.

    Bist Du mit deiner persönlichen Saisonleistung zufrieden?

    Ich bin relativ zufrieden, außer mit dem Augsburg-Spiel. Das hat nicht gepasst, da bin ich auch sehr selbstkritisch. Sonst spiele ich eine ganz gute Rolle, aber im Endeffekt ist es eigentlich egal, wenn wir keine Punkte holen, bringt das auch nichts.

    Manchmal hat man es schwierig als Torhüter, nach dem folgenschweren Patzer gegen Augsburg wollten einige einen Torwartwechsel und des Öfteren wirst Du als bester Mann gefeiert, was denkst Du darüber?

    Wie du sagst, das ist das Leben eines Torwarts. Entweder, du bist der Held oder der Arsch (lacht), darauf habe ich mich eingelassen und damit muss man auch umgehen können. Wenn man einen Fehler macht, muss man das abschalten können.

    Empfandest Du es als ungerecht, als Daniel Ischdonat länger zwischen den Pfosten stand?

    Gar nicht, Daniel hat gegen Heidenheim ein gutes Spiel gemacht, die Mannschaft im Spiel gehalten, das ist Fakt. Aus zwei Spielen wurden dann vier Punkte geholt, sportlich war mir klar, dass der Trainer den Daniel gegen Saarbrücken nicht aus dem Tor nehmen kann, so ist das Geschäft. Nach der Trainerentlassung habe ich ein sehr gutes Spiel gegen Hoffenheim gemacht, habe im Training meine Leistung gezeigt. Wie gesagt, in den meisten Spielen kann ich mir eigentlich keinen Vorwurf machen, das muss ich jetzt die Saison durchziehen, vielleicht noch einen Tick besser werden, dass ich der Mannschaft auch Punkte rette. Aber die Sache mit Daniel, er ist ein super Typ und hat seine Sache sehr gut gemacht. Er hat ja auch etwas Erfahrung auf dem Buckel. Das war vollkommen in Ordnung.

    Du bist als dritter Torhüter bzw. Regionalligatorhüter von Borussia Mönchengladbach hierhergekommen und hast sicher die Ambitionen, beim SVS eine super Drittligasaison zu spielen, um Dich weiter zu empfehlen…

    Ja, ich bin ausgeliehen worden, dass ich als Nummer eins spiele, wobei man das natürlich jedem Trainer in jedem Spiel zeigen muss. Es ist ja klar, dass sich ein Trainer auch Gedanken machen muss, wenn ich zwei-, dreimal patze, das ist mir bewusst. Dass wir von vornherein eine gute Mannschaft hatten oder haben, war mir auch bewusst und ich war guten Mutes, aber die Saison ist noch lange und der Trainer wird uns so hinbiegen, dass wir noch eine gute Rolle spielen werden.

    Im Fragebogen vor der Saison hast Du den SVS als möglichen Aufsteiger genannt. Um zu den Saisonzielen zu kommen, wie realistisch ist das?

    Die Saison ist noch lang, das ist zwar jetzt ein Alibisatz, aber es ist Fakt, dass wir erst zehn Spiele absolviert haben. Da sind noch 28 Spiele, die bestritten werden müssen. Wir sollten nicht auf die ersten drei Plätze nach oben schauen, sondern wie der Trainer verlangt, auf uns schauen. Es geht darum, die nächsten Wochen eine gute Leistung zu zeigen und wenn wir alles geben, gut spielen und verlieren, dann ist das nun mal so. Wenn wir zeigen, was wir können und man dann verliert, kann man sich keinen Vorwurf machen.

    Wenn man auf andere Mannschaften schaut, wo siehst Du momentan die Stärken von Dortmund und Mainz, bei denen es so gut läuft?

    Da stimmt es einfach von jungen und alten Spielern her. Man sieht, dass sie es absolut wollen. Gerade Mainz tritt als Mannschaft auf, wenn man 2:1 bei Bayern gewinnt. Wenn man da einen Lauf hat, dann gewinnt man bei Bayern, da müssen wir auch hinkommen, dann können wir auch zum Beispiel in Offenbach gewinnen. Das können wir sowieso, aber wir müssen in einen Lauf reinkommen. Dann spielt man 0:0, aber man macht gegen Bayern in letzter Minute das Tor.

    Unter ‚Fohlen-hautnah.de‘ stößt man auf die Schlagzeile: „Wechsel auf Zeit oder Abschied?“. Jetzt bist Du einige Monate hier, wie sind da Deine Ansichten?

    Erst mal ist es so, dass ich bis 2012 bei Gladbach unter Vertrag bin. Es geht alles so schnell im Fußball, vor acht Monaten habe ich meinen Vertrag erst verlängert und jetzt bin ich seit drei, vier Monaten hier. Ich fühle mich wohl hier, das ist Fakt, jedoch habe ich bei Mönchengladbach einen Vertrag für die Saison darauf und bin hierher für ein Jahr ausgeliehen. Da mache ich mir aber momentan keine Gedanken, es ist wirklich wichtiger, das als Mannschaft zu packen und da sind Einzelschicksale erst mal ziemlich unwichtig.

    Hängt es also an den Vereinen, ob Du eventuell noch ein Jahr ausgeliehen wirst?

    Ich weiß nicht, wie Gladbach das plant, da muss man den Max Eberl fragen. Ich bin jetzt ein Jahr hier und versuche, meine Leistung zu bringen.

    Was denkst Du über Leihgeschäfte im Fußball, kann das Identifikationsprobleme geben?

    Das ist eine gute Frage, ich halte eigentlich ziemlich viel davon. Sicher ist da die Identifikation mit dem Verein, aber die Jungs, die wirklich Profis sind, haben damit kein Problem. Ich bin jetzt hier und bin voll und ganz für den SV da. Generell find ich es gut, das sieht man bei Deniz Naki von St. Pauli oder Stefan Reinartz von Leverkusen. Die waren ausgeliehen und für die Jungs ist das eine super Sache wie für mich auch. Das sollte man bei Vereinen auch in Betracht ziehen, wenn man keine Perspektive hat.

    Du hast unter der Gladbacher Torwartlegende Uwe Kamps trainiert, ist das Dein Vorbild oder sind es andere Torhüter?

    Für Uwe Kamps war ich noch zu jung, um das richtig verfolgt zu haben (lacht). Man kann sich aber viel abschauen, von Jens Lehmann wegen der Technik oder Oliver Kahn von der Mentalität. Von Buffon kann man sich auch viel abschauen, aber Uwe Kamps ist quasi mein Mentor, der mich aus der Jugend auch hochgeholt und verbessert hat. Von ihm nehme ich natürlich immer Ratschläge an.

    Du bist 22 Jahre alt, Dein Ziel ist schon Bundesliga-Stammtorhüter?

    Natürlich, wenn ich das nicht hätte, wäre ich im falschen Beruf. Ich denke, jeder der jung ist und die Möglichkeit hat, dritte Liga zu spielen, hat den Anspruch, höher zu spielen.

    Bei Gladbach gibt es die Torhüter Bailly und Heimeroth, aber Dir ist schon in Aussicht gestellt, da ranzukommen?

    Die Intension ist, dass ich mich weiterentwickle und denen zeigen kann, was ich kann. Unabhängig, ob ich zurückgehe oder nicht. Aber die Intension von Gladbach ist, dass sie mich vielleicht mal als Nummer 1 haben oder verkaufen, es sind alle Optionen offen.

    Wo siehst Du Deine Stärken und Schwächen?

    Ich kann mich in allen Bereichen noch verbessern, aber ich denke, ich bin im Eins gegen Eins relativ gut. Reflexe hat man oder hat man nicht, da bin ich auf einem ganz guten Weg und was Strafraumbeherrschung angeht: das kommt mit den Jahren, dass man noch souveräner wird. Auch mit der Torwarttechnik und den schnellen Beinen, was Daniel mit uns trainiert. Das sind so Sachen, die man von Training zu Training verbessern wird.

    Diese Position des einsamen Wolfes, wolltest Du immer Torhüter werden?

    Das ist eigentlich ziemlich witzig. Bis ich 14 war, habe ich bei meinem Heimatklub FV Wiehl auf dem Feld gespielt, an dem noch meine Seele hängt. Es war Pokalfinale und im Elfmeterschießen hatte sich unser Torwart verletzt. Der Trainer meinte, ich soll ins Tor und ich habe glatt ein paar Elfmeter gehalten. Eigentlich nur Zufall, aber da er Kreisauswahl- bzw. Mittelrheintrainer war, habe ich drei Wochen später eine Einladung bekommen und da stand plötzlich drunter: „aber bitte Torwarthandschuhe mitbringen“. Dann habe ich erst mal angerufen und gefragt, ob man das ernst meint und man sagte, man würde mich gern als Torwart testen. Dann bin ich zu diesem Stützpunkttraining und anderthalb Jahre später als Torwart nach Köln gegangen und dann nach Gladbach. Schon sehr witzig.

    Das war sicher klasse, als 2001 aus Köln jemand auf Dich zukam…

    Ja, ich habe in Wiehl noch auf dem Feld gespielt und war dann einmal die Woche dienstags bei Köln im Torwarttraining. Dann haben sie mich immer mittrainieren lassen und zur C2-Jugend wollten sie mich dann haben und da habe ich das Angebot direkt wahrgenommen und bin ganz ins Tor gegangen.

    Du hattest 2008 Dein Bundesligadebüt gegen Wolfsburg, wie war das?

    Das war ziemlich kurios, zu der Zeit hatte ich nicht damit gerechnet. Wir hatten gerade einen Wechsel vollzogen, Gospodarek ist für Heimeroth ins Tor gekommen und dann verletzte sich Gospodarek. Natürlich habe ich jeden Tag drauf hingearbeitet. Das Spiel ist etwas doof für uns gelaufen, ich habe einen Elfmeter verschuldet, wo ich eigentlich nichts machen konnte. Ich habe drei Standardtore bekommen, das ist auch nicht so schön im ersten Spiel, zwei Elfmeter und eine Ecke. Es waren ein paar Sachen dabei, bei denen ich mich auszeichnen konnte, aber das erste Profispiel mit einer 0:3-Niederlage ist natürlich nicht so schön. Aber ich war eigentlich relativ zufrieden mit mir.

    Hattest Du einen speziellen Berufswunsch außer Fußballer?

    Ich hätte gern studiert, Sport an der Uni in Köln. Um im Sportmanagement oder Marketing reinzurutschen, aber eigentlich war von Anfang an das Ziel Fußballprofi.

    Du hast Fachabitur als Abschluss…

    Ja, und wenn es nicht so sein sollte mit der Karriere (aber toi toi toi), dann würde ich mein Abi nachmachen und auf jeden Fall im Sport was machen, die Richtung Management.

    Du pflegst auch gern die Nähe zu den Fans, nach dem Spiel oder mit eigener Homepage…

    Das mit der Homepage war ganz witzig, die habe ich zum 15. Geburtstag von meinem Bruder geschenkt bekommen. Er hat sie einfach weitergepflegt. Als ich Profi geworden bin, ist es natürlich etwas doller geworden. Das ist gar nicht speziell wegen mir als Fußballprofi, sondern aus Spaß, weil mein Bruder es mir geschenkt hat. Mein Bruder ist Marketingleiter von Audi in Ostdeutschland, er hat Medienwirtschaft studiert und ist mein Berater.

    Diese Nähe zu den Fans ist Dir schon wichtig?

    Meiner Meinung nach können die Fans auch viel für uns tun und wir viel für die Fans. Ich weiß selbst aus Gladbach, dass es schwere Zeiten wie jetzt gibt, wo man sich mit dem Verein als Fan identifiziert. Ich denke, dass Fans uns beflügeln können, wenn alle ins Stadion kommen und uns anfeuern. Gegen Bayern hat man es die letzten zehn Minuten gesehen, dass unser Wille auf dem Platz auf die Fans übergesprungen ist. Es gibt ja nichts Schöneres, als feiern zu können, wenn Tore fallen und man Siege genießen kann. Aber die müssen jetzt auch mal kommen.

    Was hast Du für Hobbys?

    Ich treffe mich gern mit Freunden, auch hier aus der Mannschaft. Natürlich fahre ich auch gern nach Hause, in letzter Zeit war das nicht so häufig, da ich mich voll auf den Fußball konzentrieren wollte. Aber mit Freunden gehe ich gern mal essen oder mache einen Spiele-Abend. Play Station 3 Fifa nicht zu vergessen, mit Frank Löning oder Jan Sievers bei Tim Danneberg. Da werden schon die einen oder anderen Partien ausgefochten.

    Noch ein Wort über Geschmäcker: Musik, Autos?

    Ich mag RnB und House Musik, da ich in Köln gespielt habe, auch Karnevalsmusik zur entsprechenden Zeit. Wegen Autos, ich fahre persönlich einen Audi.

    Vielen Dank Freddi, alles Gute in Sandhausen.

    Das Gespräch führte Alexander Münch

    Zur Tabelle der dritten Liga

    Geschrieben von:  Stephan R.T.

Kommentare

    Kommentar schreiben

     
    Dein Kommentar:


    Du mußt eingeloggt sein, um kommentieren zu können. Jetzt einloggen?