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  • 1. FC Union Berlin, 19. Oktober 2012

     
    „Das Gespräch mit Vereinen, vor allem aber Fans, ist unabdingbar“

    Seit einigen Tagen beschäftigt die Fußballfans des Landes das Papier ‚Sicheres Stadionerlebnis‘, auf dem DFB und DFL ihre Ideen unterbreiten, wie die Sicherheit in den Stadien weiter erhöht werden kann. Der 1. FC Union Berlin war der erste Verein, der sich klar gegen dieses Papier positioniert hat. Warum dies so ist, darüber sprachen wir mit Jacob Rösler von der Fan- und Mitgliederabteilung des Vereins.

    Hallo Jacob, was stört Euch am Papier ‚Sicheres Stadionerlebnis‘?

    Das sind grundsätzlich zwei Dinge. Zum einen ist es schwierig, dass auch das vorliegende Papier wieder ohne unser Zutun erarbeitet wurde, und man quasi vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Dass diesmal die Vereine Zeit bekommen, sich zu positionieren, ist da schon ein großer Fortschritt. Das zweite ist natürlich der Inhalt. Dass in diesem Papier etwa ganz selbstverständlich über ‚Vollkontrollen‘ geredet wird, die Öffentlichmachung von Ermittlungsverfahren gefordert wird oder persönliche Daten von der Polizei an die DFL, eine GmbH!, übermittelt werden sollen, kann eigentlich niemand gut finden. Es gibt noch weitere inhaltliche Punkte, aber diese sind schon besonders krass. Dieses Papier ist u.a. ein weiterer Schritt dahin, das Prinzip der Verhältnismäßigkeit, aber auch der Rechtsstaatlichkeit im und um Stadien außer Kraft zu setzen. Nun reden wir hier zwar nur über Fußball, aber der Widerstand gegen solche Formen der privaten Justiz sollte nicht verwundern.

    Wie siehst Du aus Deiner eigenen Erfahrung das Problem ‚Gewalt beim Fußball‘?

    Trotz knapp 1.000 Spielen in den letzten Jahren, die überwiegende Zahl davon in den ersten drei deutschen Ligen, kann ich persönlich von einer Zunahme von Gewalt nichts merken. Vielleicht bin ich aber auch nur ein Glückspilz und die Jungs von der DFL geraten andauern in Raufhändel, wenn sie in der Kurve stehen… Die Frage ist ja auch, was man als Gewalt bezeichnet. Ohne ignorieren zu wollen, dass es natürlich auch beim Fußball Probleme wie Gewalt gibt, ist es sicherlich nicht dienlich, wenn beispielsweise Pyrotechnik automatisch mit Gewalt gleichgesetzt wird. Ich bin kein großer Freund von dem Gezündel, aber nach Logik der DFL ist eine Fackel dann automatisch mit einer Körperverletzung gleichgesetzt. Diese ‚Körperverletzung‘ fließt dann in die ohnehin extrem umstrittenen und völlig nebulösen Daten ein, mit der die DFL, unterstützt von zu vielen Medien, anscheinend derzeit versucht, ihren geplanten Angriff auf die Vormachtstellung der englischen Premier League zu rechtfertigen…

    Was sind Eure Lösungsansätze?

    Eigentlich die gleichen, wie die das Papier ‚Sicheres Stadionerlebnis‘ am Anfang nennt, dann leider aber sofort negiert: Gebt den Vereinen mehr Gewalt, positive wie sanktionierende. Der Verein und die Leute, die dort arbeiten oder sich engagieren, wissen zweifellos besser als jeder Verband, was vor Ort Sache ist. Lasst die Vereine erst mal machen, gebt ihnen die Chance, selbst präventiv tätig zu werden, gebt ihnen die Chance, selbst über Sanktionen, wie beispielsweise Hausverbote statt bundesweiter Stadionverbote zu entscheiden. Und vor allem: Denkt bitte zweimal nach, bevor ihr etwas von oben herab verfügt. Das Gespräch mit Vereinen, vor allem aber Fans, ist unabdingbar.

    Bei den Fans anderer Vereine werdet Ihr auf Zustimmung treffen, aber glaubst Du auch, dass die anderen Vereinsführungen Euren Weg unterstützen werden?

    Ich sehe das ziemlich pragmatisch: wenn es die Fans – die ja meist zu einem großen Teil auch Mitglieder sind – schaffen, sich zu organisieren, kommt keine Vereinsführung daran vorbei, das Mandat der Mitgliedschaft zu befolgen. Bei bestimmten Konstruktionen, die nicht e.V. sind, ist das etwas schwieriger, aber irgendeine Form von Einfluss sollten die Fans in eigentlich fast jedem Verein haben. Und über kurz oder lang wird wahrscheinlich jeder Vorstand, der von Wahlen oder ähnlichem abhängt, sich überlegen, ob er dauerhaft gegen das Votum der Basis agieren will. Im Idealfall ist es aber natürlich so, dass Vorstand und Fans wenigstens im grundsätzlichen Ansatz in eine ähnliche Richtung wollen. Ich bin eigentlich zuversichtlich, dass sich zumindest das kommentarlose Abnicken, wie bei der Sicherheitskonferenz im Juli diesmal nicht wiederholt.

    Was werdet Ihr machen, falls DFL und DFB ihr Papier ohne Änderungen durchdrücken?

    Ich setze darauf, dass die Dialogkultur wieder auflebt, schließlich sind ein Verein und die Liga keine Gegner, sondern eine Interessensgemeinschaft. Also bleibt mir die Hoffnung, diese Frage in ein paar Wochen gegenstandslos zu betrachten…

    Wie wichtig ist für Dich der Erhalt der Stehplätze und der heutigen Fußballkultur?

    Das ist eigentlich nicht verhandelbar. Stehplätze gehören zum Fußball dazu. In England dachte man vor zwanzig Jahren, Stehplätze wären das Problem. Vor einem Monat musste man dort bitterlich zu Kreuze kriechen, diese Scheißentscheidung wird dort schwer wieder rückgängig zu machen sein. Dieses Desaster sollten wir und sparen. Und überhaupt: jeder Verein soll das selbst entscheiden dürfen, das geht die DFL nichts an.

    Zum Papier ‚Sicheres Stadionerlebnis‘ von DFB und DFL
    Zur ausführlich begründeten Positierung des 1. FC Union Berlin

    Geschrieben von:  Stephan R.T.

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