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  • Berliner AK 07, 03. August 2011

     
    „Es geht mir gut, und ich kann auch noch ganz normal auf die Toilette“

    Über die Verpflichtung von Ronny Nikol ist der Regionalliga-Aufsteiger Berliner AK 07 sehr glücklich. Der 37-jährige Berliner bringt viel Erfahrung in die Abwehr und ins ganze Team. Durch seine ruhige Ausstrahlung und sein Können hat Nikol jetzt schon eine Vorbildfunktion in der Mannschaft inne. Der BAK traf sich mit Nikol und Sohn Etienne (9) auf Kaffee und Bionade in Berlin-Mitte. Zwei Generationen Fußballer – klar, dass man da schon mal übers Altern plaudert.

    Bist Du auf dem Platz schon mal gesiezt worden?

    Nee, auf dem Platz noch nicht. Höchstens vom Schiedsrichter.

    Du bist jetzt 37 Jahre alt. Wie fühlst Du Dich, wenn Du morgens aufstehst? Tut irgendwas weh?

    Das ein oder andere Zwicken ist schon da, klar. Man braucht auch ein bisschen länger, bis der Körper in Fahrt ist. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden.

    Beschreib mal bitte, was genau wehtut.

    Nach fünf Wochen Vorbereitung ist der Körper ziemlich stark belastet. Da kommen dann ein paar Ermüdungserscheinungen eher zum Vorschein. Ich hatte jetzt ein bisschen mit der Achillessehne zu tun. Aber das ist nicht so gravierend.

    Hier sind Deine Perspektiven: Linsentrübung, Bluthochdruck, Vergrößerung der Prostata, Abnahme von Muskelmasse und Neurotransmittern sowie schwache Harnblase. Kommt Dir davon irgendwas bekannt vor?

    Nein.

    Sicher, oder willst Du nur nicht darüber reden?

    Nein wirklich nicht. Es geht mir gut, und ich kann auch noch ganz normal auf die Toilette.

    Dann sind wir beruhigt. Wusstest Du, dass die Galápagos-Riesenschildkröte 175 Jahre alt werden kann?

    Ja, wusste ich. Meine Freundin ist sehr an Tieren interessiert. Das war schon mal Thema bei uns. Daher weiß ich das.

    Schätz mal, wie viele Liga-Einsätze man in 175 Jahren haben kann.

    4000?

    Wow! Kommt ungefähr hin. Wie lange willst Du denn noch spielen?

    Ich habe das immer von Jahr zu Jahr entschieden. Bislang ist immer ein Vertrag zustande gekommen. Ich hatte nie was Großes an Verletzungen. Das war immer ein Vorteil bei mir. Ich traue mir auch noch ein weiteres Jahr zu.

    Ist Deine Familie, Dein Sohn und Deine Freundin, der Grund, warum Du nach Berlin zurückgekommen bist?

    Ich war jetzt acht oder neun Jahre lang unterwegs, aber mein Lebensmittelpunkt war immer Berlin. Außerdem ergibt sich jetzt auch noch was neben dem Fußball.

    Was hast Du denn vor? Oder ist das geheim?

    Nein, da kann ich drüber reden. Ich eröffne in diesem Jahr mit einem Partner eine Indoor-Fußballhalle. Die ist noch in der Bauphase, weil der Keller noch ein bisschen feucht ist.

    Apropos ‚feucht‘. Dein Lieblingsbuch ist ‚Feuchtgebiete‘ von Charlotte Roche. Darin geht es um Analfissuren und Avocados...

    Ja, stimmt. Ich hatte davon gehört und ein Interview mit der Autorin im Fernsehen gesehen. Ich lese eigentlich nicht so viele Bücher, aber das ist sehr interessant...

    ...und Du hörst Paul Kalkbrenner.

    Kalkbrenner ist Berliner wie ich. Der Film von ihm ist auch großartig. Das ist ein abgefahrener Typ.

    Lothar Matthäus, Roger Milla und Michael ‚Tanne‘ Tarnat haben sehr lange gespielt – länger als Du bisher. Du hättest also noch viel Zeit.

    Ich hatte auch bei Union lange Zeit einen Trainer, der auch bis 40 gespielt hat. Das war ‚Mirko‘ Votava.

    Aber da tut doch schon was weh, oder?

    Klar. Man ist auch nicht mehr so schnell. Das macht man mit einem guten Auge wett. So ein bisschen Schmerz ist ja auch halb so wild.

    Bist eher ein Diclofenac- oder ein Ibuprofen-Typ?

    Ganz klar Voltaren! Das ist eine Angewohnheit. Seit einigen Jahren nehme ich immer eine Tablette vor dem Spiel. Ist auch ein bisschen Aberglaube, aber Voltaren gehört dazu.

    Kommst Du deshalb immer als Letzter aus der Kabine, damit das keiner mitbekommt?

    Das ist auch ein Aberglaube, den ich seit einigen Jahren pflege. Wenn ein anderer Spieler irgendwann mal auf dieselbe Idee kommt, habe ich mit meinem Alter wieder einen Vorteil. Ich werde immer die Kabine als Letzter verlassen.

    Du bist dreimal in die zweite Liga aufgestiegen. Hat es für mehr nicht gereicht, oder war auch Pech im Spiel?

    Vielleicht hätte ich mich manchmal anders entscheiden sollen. Ich hätte auch ein Jahr früher nach Cottbus gehen und in der ersten Liga spielen können, bin aber bei Union geblieben. Als ich dann schließlich nach Cottbus ging, war der Verein gerade abgestiegen. Es war ein tolles Zweitligajahr, nach dem nur ein Punkt zum Aufstieg in die erste Bundesliga fehlte. Es ist doch Ziel jedes Profis in der höchsten Spielklasse zu arbeiten, doch manchmal fehlt dann einfach das Glück dazu. Aber ich bereue keinen meiner Schritte.

    Dein Sohn Etienne (9) spielt bei Union. Kann er was?

    Ja. Er ist ein Linksfuß. Das ist seltener und sehr gefragt. In den letzten zwei Jahren, die er bei Union verbracht hat, hat er sich sehr gut entwickelt. Ich sehe mir das sehr gerne an. Ich hatte es schwer, alle Spiele zu sehen, weil ich ja überall in Deutschland unterwegs war und zuletzt in Jena gespielt habe. Das wird sich aber in diesem Jahr ändern.

    Jetzt mal eine Frage an Dich, Etienne. Was kann der Papa nicht?

    Etienne: Rennen.

    Ronny, wie sind denn Deiner Meinung nach die Perspektiven des BAK? Der Verein ist auch deshalb aufgestiegen, weil andere Mannschaften wie Torgelow oder Rostock II keinen Antrag auf Teilnahme an der Regionalliga gestellt haben.

    Wir sind nach fünf Wochen harten Trainings gerüstet für die Regionalliga. Der BAK hat zur Winterpause in der Oberliga oben gespielt. Schließlich war recht früh bekannt, dass einige Vereine nicht aufsteigen wollten. Da gibst Du ein paar Prozent weniger, weil Du als Spieler genau diesen Umstand im Hinterkopf hast. Die Jungs wären, glaube ich, trotzdem aufgestiegen. Das Potenzial der Mannschaft ist gut. Wir werden den einen oder anderen Verein in dieser Saison richtig ärgern.

    Den Trainer, Jens Härtel, kennst Du ja schon lange.

    Wir haben 1998/99 bei Union noch zusammen gespielt. Jens war schon als Spieler sehr, sehr ehrgeizig und hat Fußball gelebt. Als Co-Trainer in Babelsberg hat er viele Dinge auch selbst entschieden. Da hat er viele Erfahrungen gesammelt und ist jetzt zum ersten Mal allein für eine Truppe verantwortlich. Und die Vorbereitung beim BAK mit Jens Härtel war nicht ohne!

    Es gibt Hertha BSC und den 1. FC Union in Berlin. Dann kommt erst mal nichts, schließlich der BAK 07 als dritte Kraft. Wie lange dauert es, bis mehr Berliner Notiz vom Verein nehmen?

    Der Verein ist nicht so bekannt, das stimmt. Aber der Aufstieg in die Regionalliga ist ein Anfang. Wir müssen uns in der Stadt noch mehr zeigen und mehr Öffentlichkeitsarbeit machen. Es gibt noch einen anderen Verein, der die dritte Kraft sein möchte, sich aber immer wieder selbst die Beine wegzieht: Der BFC Dynamo. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Fans sind wichtig. Aber solche, die sich durch Krawalle hervortun, braucht man nicht.

    Die wirst Du beim BAK auch nicht finden.

    Der Verein wird sich insgesamt entwickeln. Da bin ich sicher. Vielleicht ist es auch gut, dass wir im Jahr vor der Regionalligareform nicht absteigen können. Man kann locker und ohne großen Druck aufspielen. Egal, ob man unten drin hängt oder nicht.

    Wer steigt denn auf in die dritte Liga?

    Für mich gehören Leipzig und Halle zu den Topfavoriten.

    Gegen Halle ist auch Dein erstes Heimspiel in Berlin.

    Das ist hart, kann aber auch gut sein. Zum Anfang der Saison ist man noch nicht so eingespielt. Das könnte für uns ein kleiner Vorteil sein.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Ingo Müller

    Zur Tabelle der Regionalliga Nord

    Geschrieben von:  Stephan R.T.

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