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  • BFC Dynamo, 16. Juni 2014

     
    „Es wäre natürlich toll, wenn wir noch einen Zuwachs bekommen würden“

    Stephan Flauder erlernte einst beim Frankfurter FC Viktoria das Fußballspielen und ging im Sommer 2005 zum FC Erzgebirge Aue. Bei den Sachsen hütet er zunächst bei dessen zweiter Vertretung in 64 Spielen das Tor, kam aber später zudem auch auf vier Zweit-, zehn Drittliga sowie drei DFB-Pokaleinsätze für die erste Mannschaft. Im vergangenen Sommer wechselte Flauder dann zum BFC Dynamo, wo er zur unbestrittenen Nummer 1 wurde und mit ihm der Aufstieg in die Regionalliga Nordost gelang. Zu seiner Zeit in Frankfurt, Aue und in Berlin stand der 28-jährige Keeper nun für einige Fragen zur Verfügung.

    Hallo Stephan, Du bist in Frankfurt/Oder geboren und aufgewachsen und beim Nachfolger von Vorwärts Frankfurt fußballerisch ausgebildet worden. War beim FC Victoria die Geschichte von Vorwärts noch spürbar oder habt ihr als kleine Jungs davon nichts mitbekommen?

    Ja klar, war davon noch einiges spürbar! Die Fans haben ständig vom FCV gesprochen, bei den Spielen Lieder vom FCV gesungen und sogar Shirts produziert, bei denen das FCV-Logo plus einem Schriftzug aufgedruckt war. Man wurde ständig mit dem FCV konfrontiert, die Trainer haben von ‚den guten alten Zeiten‘ erzählt und einige Leute, die damals schon für den FCV ehrenamtlich Arbeit geleistet hatten, waren auch bei Viktoria noch ehrenamtlich aktiv.

    Waren unter den Trainern noch ‚Berühmtheiten‘ des DDR-Fußballs?

    Soweit ich weiß nicht, ich hatte zwar zwei, drei Trainer, bei denen mir immer gesagt wurde, die waren schon beim FCV, aber ob sie jetzt auch anderen Leuten bekannt sind, weiß ich nicht.

    Welche Trainer haben Dich geformt?

    Man nimmt sich von jedem Trainer etwas mit. Jeder Trainer formt einen Spieler auf gewisse Art und Weise. Natürlich formt der eine Trainer einen mehr, der andere weniger. Ich hatte in meiner Jugendzeit bei Viktoria lange Mathias König als Trainer, der mit meinem Jahrgang immer mitgegangen ist und mich dann auch als 17-Jähriger in die Oberligamannschaft von Viktoria hochgezogen hat.

    In Aue hatte ich lange Rico Schmidt als Trainer, von dem ich hinterher gesehen, auch viel mitgenommen habe, ebenso von Gerd Schädlich, Heiko Weber, Roland Seitz und Karsten Baumann habe ich einiges lernen können und immer wieder neue Seiten des Fußballs kennen gelernt. Es gibt natürlich auch Trainer, von denen man die negativen Seiten des Fußballs mitbekommt, der in Berlin bekannt ist, ich aber keine Namen nennen will.

    Du kamst als 19-Jähriger zum damaligen Zweitligisten FC Erzgebirge Aue. Mit welchen Vorstellungen und Zielen gingst Du ins Erzgebirge?

    Ich wollte damals den Sprung über die zweite Mannschaft zu den Profis schaffen, was mir dann nach zwei Jahren auch gelang. Ich hatte als junger Spieler natürlich noch diese Traumvorstellung vom Fußballprofi, die aber mit der Zeit und der entsprechenden Erfahrung, sich auch relativiert hat. Man bekommt schnell mit, wie das Geschäft im Fußball läuft und das es genauso viele negative Seiten gibt, die man nur mitbekommt, wenn man selber Spieler ist bzw. die nicht nach außen dringen.

    Aue stieg zwischenzeitlich ab, spielt jetzt wieder in der zweiten Liga. Du hattest dort wahrscheinlich einige Torhüter als Konkurrenten und auch verschiedene Trainer. Zuletzt war Martin Männel der erste Keeper, der Deinen Abgang sehr bedauerte. Insgesamt hast Du aber nur 14 Spiele dort bestritten. Hast Du Dich immer korrekt bewertet gefühlt oder mit den Trainern gehadert?

    Keine Fußballer fühlen sich gerecht bewertet, sicherlich gab es immer mal wieder auch Konfrontationen mit Trainern, die im Nachhinein unnötig waren, aber ich hatte zu jedem Zeitpunkt meine Meinung vertreten, was nicht immer gut ankommt. Du brauchst halt auch das gewisse Glück im Fußball, das man einen Trainer hat, der total auf einen steht.

    Wir hatten in Aue mit Martin und mir zwei sehr gute Torhüter, es kann aber immer nur einer spielen. Ich denke die Schuld jetzt nur auf die Trainer zu schieben, wäre falsch und würde nicht der Wahrheit entsprechen. Trotzdem bleibe ich dabei, dass es kein Qualitätsabfall gewesen wäre, wenn ich gespielt hätte. Ich war immer da, wenn ich gebraucht wurde und habe in der zweiten Liga kein Spiel mit Aue verloren, egal wie viel es waren. Die Situationen in denen ich gespielt hatte, waren ja jetzt auch nicht immer ein Geschenk.

    Mit Deinen physischen Voraussetzungen (1,97 Meter, 90 kg) bringst Du alles für einen Torwart mit, bist aber nicht an Männel vorbei gekommen. Musst Du Dir im Nachhinein was vorwerfen?

    Ich muss leider zugeben, dass ich erst beim BFC Dynamo verstanden habe, dass noch mehr dazugehört, als nur ein gewisses Talent mitzubringen. Wer nicht bereit ist, an sich zu arbeiten, auf seinen Körper zu achten und mehr zu tun als andere, bleibt irgendwann auf der Strecke. Das muss ich mir ehrlicherweise selber vorwerfen. Allerdings wurde mir auch nie eine echte Chance gegeben. Als wir eine lange negative Serie in Aue hatten, verletzte sich Martin und ich habe zwei Spiele gemacht. Wir holten vier Punkte aus zwei Spielen und ich wurde wieder auf die Bank gesetzt. Da habe ich auch zu spüren bekommen, dass Fußball mehr als nur das auf dem Platz ist.

    Man ist als Torwart in einer Sondersituation, weil man zugleich Partner und Konkurrent, oft über eine längere Zeit ist. Wie regelt man das zwischenmenschlich? Kann man trotzdem ein Vertrauensverhältnis aufbauen?

    Ich habe mich mit Martin sehr gut verstanden. Es muss sich einfach ergeben, man merkt ja auch wie der Konkurrent so tickt. Wir hatten von Anfang ein sehr gutes Verhältnis, was der Leistung auf dem Platz jetzt kein Abbruch getan hat, weil wir beide um die Qualität des anderen wussten. Mit Nico habe ich auch ein sehr gutes Verhältnis. Wir wollen natürlich beide spielen, respektieren die Leistung des anderen und unterstützen uns gegenseitig. Ich bin der Meinung das ein ‚Torwartkrieg‘ dem Mannschaftsklima schadet und das nicht im Sinne des Mannschaftssports ist. Jeder will spielen und soll auch bereit sein alles dafür zu geben, aber man muss dann auch akzeptieren wenn man nicht spielt.

    Vor der Saison bist Du in die fünfte Liga zum BFC Dynamo gegangen. Haben sich Deine Auer Mitspieler oder andere Leute, die Dir nahe sind, sehr gewundert?

    Zuerst wurde ich natürlich gefragt, warum ich diesen Schritt gehe. Nachdem ich aber meinen ehemaligen Mitspielern, Freunden und Familie erzählt habe, was ich für Gespräche hatte, welches Projekt dort ansteht und wie es angegangen werden soll, konnten es alle nachvollziehen. Mittlerweile fragt mich niemand mehr warum ich diesen Schritt gegangen bin, sondern fragen mich, wohin soll es bei Euch noch gehen.

    Wie würdest Du denen, die sich wundern oder erstaunt waren, diesen Schritt begründen? Womit haben Dich die Verantwortlichen vom BFC ‚geködert‘?

    Ich wollte spielen. Ich sah die Chance, beim BFC was aufzubauen und einen großen Anteil dazu beizutragen. Es ist eine ganz andere Aufgabe, etwas zum Leben zu erwachen und nach oben zu führen, als die Klasse zu halten oder irgendwo mit zu schwimmen. Ich hatte sehr gute Gespräche mit dem sportlichen Leiter und Trainer, die mich für diese Aufgabe überzeugen konnten. Ich hatte mir noch ein paar extra Infos bei meinem Freund Jörn Wemmer eingeholt und danach war ich überzeugt, den richtigen Schritt zu gehen.

    Mit dem BFC sind viele Vorurteile und Klischees verbunden. Welche sind in Deiner Umgebung so verbreitet worden?

    Ich habe die üblichen Sprüche und Klischees gehört, bin aber ein Mensch, der sich gerne selber ein Bild macht. Daher kann ich aktuell nichts Negatives über unsere Fans sagen, wir hatten zu jedem Spiel mehrere hundert Fans mit, in Greifswald und in Malchow sogar über 1.500 und das in der Oberliga. Das ist nicht selbstverständlich und ich habe keine negativen Schlagzeilen mitbekommen, sondern eher das Gegenteil. Da wurde das vorbildliche Verhalten der Fans in einem Schreiben verfasst.

    Bist Du mit dem Trainingsniveau beim BFC zufrieden? Was waren Deine persönlichen und die Mannschaftsziele vor Beginn der Saison?

    Ich muss sagen, wir haben schon eine qualitativ sehr gute Mannschaft. Was sich ja auch in der Tabelle und den Tests gegen die Regionalligisten gezeigt hat. Ich wollte natürlich spielen, der sichere Rückhalt für die Mannschaft sein, den man braucht, um lange oben zu spielen und wollte selber natürlich unbedingt aufsteigen. Für die Mannschaft gab es von Anfang an nur ein Ziel – der Aufstieg! Deswegen wurde ich verpflichtet und bin zum BFC gekommen.

    Die Gegnerschaft in der Oberliga war dieses Jahr ziemlich schwach. Ähnlich wie Manuel Neuer musstest Du nicht so oft eingreifen. Kann das für einen Torhüter auch ein Problem sein? Wie hält man die Konzentration hoch?

    Ich will mich nicht mit Manuel Neuer auf eine Ebene stellen, das ist absoluter Quatsch.

    Was heißt schwach, man spielt immer nur so gut, wie es der Gegner zulässt, da haben wir diese Saison keine Luft rankommen lassen und sind sehr dominant aufgetreten. Wir brauchen die Gegner jetzt nicht besser aber auch nicht schlechter reden, als sie es am Ende waren. Immerhin hat es Rostock (3. Liga) im Pokal nicht geschafft, gegen den 1. FC Neubrandenburg zu gewinnen. Wir haben sechs Punkte mit 7:1-Toren gegen diese Mannschaft erspielt. Das kommt einfach mit der Zeit. Es ist natürlich für jeden Torwart schön, sieben, acht Bälle pro Spiel auf die Kiste zu bekommen und im Spiel zu sein. Die nächste Stufe ist dann die zwei, vielleicht drei Bälle die kommen, mit höchster Konzentration abzuwehren. Das war am Anfang auch nicht so einfach, aber ich habe mir da mit unserem Torwart-Trainer Marco Sejna Gedanken gemacht, wie wir auch das hinbekommen. Ich denke, wir haben da durch das Training einen guten Weg gefunden, noch besser zu arbeiten und eine stetige Entwicklung voranzutreiben.

    Vielen BFC-Fans gefällt, dass Du von hinten lautstark die Vorderleute dirigierst. Bringst Du das von Natur aus mit oder musstest Du Dir das erarbeiten?

    Beides, mir wurde schon in jungen Jahren das lautstarke Reden von hinten immer wieder nahegelegt und darauf hingewiesen. Ich bin aber auch von Natur aus einer, der Dinge klar und direkt anspricht, was auf dem Platz für die Spieler vor mir eine Hilfestellung sein soll.

    Du hast höherklassig trainiert und gespielt. Siehst Du Dich damit automatisch als Führungsspieler? In welcher Art und Weise willst und kannst Du Dich da einbringen, nicht nur was das Spiel betrifft, sondern auch die Entwicklung der Mannschaft insgesamt?

    Ich wurde als solch ein Spieler geholt. Ich habe die Aufgabe, die Mannschaft mit zu führen, gerne angenommen und hoffe auch, meinen Beitrag dazu leisten zu können. Ich denke als Torhüter ist man immer in einer besonderen Rolle und es ist heutzutage eine so wichtige Position, dass man schon mehr oder weniger in diese Führungsrolle reinrutscht. Ich kann Spielern Erfahrungsberichte, Hinweise und Gedankengänge mitteilen, die ich aufgrund meiner Zeit im Profifußball habe oder sie vielleicht aufgrund des Alters nicht haben! Wenn ich damit helfen kann, mache ich das natürlich sehr gern.

    Sicher muss man sich in allen Belangen weiter verbessern. Siehst Du spezielle Dinge aus Deiner Sicht an denen in den nächsten Monaten gefeilt werden muss?

    Es gibt immer etwas zu verbessern, aber dafür ist das Trainerteam zuständig. Die Aufgabe der Spieler ist es, zu versuchen, diese Dinge bestmöglich umzusetzen.

    Was willst Du, was sollte die Mannschaft in der Regionalliga erreichen?

    Ich will wieder erfolgreich spielen und natürlich verletzungsfrei bleiben. Der Mannschaft soweit es geht helfen und die Entwicklung vorantreibend. Als Mannschaft wäre es schön, wenn wir nichts mit dem Abstieg zu tun hätten und uns im gesicherten Mittelfeld bewegen könnten.

    Was wünscht Du Dir von den Fans?

    Es wäre natürlich toll, wenn wir noch einen Zuwachs bekommen würden und die Spiele vor einer tollen Kulisse bestreiten könnten. Das müssen wir uns aber auch selber verdienen, dann denke ich kommen auch mehr Fans. Ich denke, die Fans haben sich zuletzt sehr positiv verhalten und ich hoffe, dass es natürlich auch da so weitergeht.

    Vielen Dank für Deine Antworten und viel Erfolg in der neuen Spielzeit

    Zur Tabelle der Oberliga Nordost Nord

    Geschrieben von:  Stephan R.T.

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