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Fußballgraffiti - das Buch über die Szene
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  • BSG Stahl Riesa, 09. Juli 2008

     

    „Für mich gibt es praktisch kein Wochenende ohne Fußball“


    Von:  Stephan R.T.

    Unser User ‚Ch1207’ ist Mannschaftsbetreuer bei der zweiten Mannschaft des TSV Stahl Riesa und somit näher am Verein dran als mancher Fan. Die Verbundenheit des 48-Jährigen zum TSV Stahl kommt dabei weniger aus der Tradition heraus, sondern aus der Bewunderung, dass es die Stahl-Fans trotz der schwierigen Bedingungen, die der Fußball in der ‚Sportstadt Riesa’ hat, geschafft haben, Stahl Riesa nach dem Konkurs wieder neues Leben einzuhauchen. Wie er überhaupt zum Fußball kam und was er bisher erlebte, kann im Folgenden nachgelesen werden.

    Christian, wie ist Deine Leidenschaft für den Fußball entstanden und wer hat Dich eigentlich zum Fußball gebracht?

    Wie so viele kleine Jungs bin auch ich durch meinen Vater und Großvater zum Fußball gekommen. Mein Großvater spielte früher selbst Fußball und berichtete mir voller Begeisterung von den Erfolgen des BC Hartha, der zweimaliger Sachsenmeister in der Vorkriegszeit war.

    Für welchen Verein schlägt Dein Herz und warum - was verbindet Dich mit Deinem Verein, wie und wann wurdest Du Fan?

    Geboren und aufgewachsen bin ich in Waldheim im Herzen Sachsens und der kürzeste und einfachste Weg zum Besuch eines DDR-Oberligaspieles war für mich als Jugendlicher die Reise nach Riesa und so habe ich seit Anfang der 70er Jahre hin und wieder die Oberligaspiele im Ernst-Grube-Stadion besucht. Beeindruckt hat mich, wie sich die kleine BSG gegen die großen Clubs und Leistungszentren der DDR-Oberliga geschlagen hat.
    Später bin ich dann aus beruflichen Gründen nach Riesa gezogen und so wurde die Verbundenheit immer größer.

    Welche Erinnerung hast Du noch von den ersten Spielen, was war das für Dich damals für ein Erlebnis?

    Mein erstes Live-Spiel im Vorschulalter war ein 5:5 zwischen Aufbau Waldheim und Aufbau Mügeln. Damals ging es um den Aufstieg zur Bezirksklasse Leipzig. Die Waldheimer schafften damals nach großem Kampf den Aufstieg und dann wurde natürlich gefeiert und eine solche Begeisterung steckt an.

    Wie zufrieden bist Du mit der aktuellen Leistung Deines Vereins, was lief in dieser Saison gut, was hätte besser klappen können?

    Mit dem TSV Stahl Riesa haben wir nun leider schon das zweite Mal den angestrebten Aufstieg in die Bezirksliga verpasst. Gut war, dass es uns endlich gelungen ist, den Stadtrivalen SC Riesa zu schlagen und das sich unsere Zweite als Aufsteiger in der ersten Kreisklasse etabliert hat. Ich bin auch der Meinung, dass das Potential für mehr als Platz zwei am Ende da war. Leider hat unsere Erste als Mannschaft versagt, da waren die Lommatzscher einfach besser.

    Wie soll es in der nächsten Saison weitergehen, was erwartest Du von Deinem Verein und in welchen Bereichen sollte es besser laufen?

    Nach Ende der Saison haben zwölf Spieler den Verein verlassen und etwa ebenso viele sind neu hinzugekommen. Spielerisch sollten wir nächste Saison weit besser sein, der Rumpelfußball der letzten Saison wird hoffentlich der Vergangenheit angehören. Wenn es dem Trainer gelingt, aus den vielen Individualisten eine Mannschaft zu formen, sollte es im dritten Anlauf mit dem Aufstieg endlich klappen.

    Was waren die schönsten und welches die erschütterndsten Erlebnisse mit Deinem Verein und anderen Fans?

    Als schönstes Erlebnis fällt mit spontan der 3:1-Sieg in der Oberligasaison 2000/01 gegen Dynamo Dresden ein sowie der 4:2-Sieg im letzten Oberligaspiel 2001/02 gegen den VfB Chemnitz, womit wir uns sportlich den Klassenerhalt sicherten, der leider aufgrund der nachfolgenden Insolvenz nichts wert war. Und da sind wir bereits bei den erschütterndsten Erlebnissen. Trauriger Höhepunkt war die letzte Mitgliederversammlung des FC Stahl Riesa 98 mit dem Konkurs und der Spaltung zwischen Fans und Aktiven. Das Thema wurde ja damals bereits lang und breit in den verschiedensten Foren diskutiert und an den Folgen leidet Stahl Riesa bis heute.

    Was macht Dich zu einem echten Fußball-Fan, wie siehst Du andere Fans?

    Für mich gibt es praktisch kein Wochenende ohne Fußball, wobei ich natürlich nicht nur Fan bin, sondern auch aktiv im Verein tätig. Ich würde mir wünschen, dass andere Fans sich auch selbst aktiv am Vereinsleben beteiligen und nicht nur über Vereinsführung, Trainer oder Spieler maulen.

    In den letzten Jahren kam im Fußball immer wieder das Thema ‚Gewalt und Rassismus’ auf. Wie sind Deine Erfahrungen zum Thema und wie siehst Du die Probleme zwischen Fans und Ordnungskräften?

    Ich kann dazu recht wenig sagen, da ich damit persönlich kaum Erfahrungen habe. Ich meine, Gewalt erzeugt immer Gegengewalt und vieles wird durch die Presse künstlich aufgeputscht.

    Ein weiteres aktuelles Thema ist kommerzielle Entwicklung des Sports, wie stehst Du dazu?

    Solange es in einem gewissen Rahmen bleibt, und Fußballspiele nicht zu Zirkusveranstaltungen ausarten, habe ich gegen eine Kommerzialisierung nichts einzuwenden. Die Vereine sind heute Wirtschaftsunternehmen und ohne Sponsoren kann kein Spielbetrieb aufrechterhalten werden. Die Auseinandersetzung zwischen Ballack und Bierhoff nach dem EM-Finale zeigt aber deutlich, dass irgendwo die Grenze ist.

    Bist Du von anderen Fangruppen beeindruckt – wenn ja, von welchen und warum?

    Ich möchte da keine Namen nennen, jeder der seinem Verein Woche für Woche und vor allem in guten wie in schlechten Zeiten unterstützt, verdient Respekt. Egal ob es die mehreren tausend Fans von Lok Leipzig oder die wenigen vom SV Seerhausen in der zweiten Kreisklasse sind.

    Melde Dich noch heute auf unserer Seite an und diskutiere mit!!

    Geschrieben von:  Stephan R.T.

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