1. FFC Turbine Potsdam, 28. Dezember 2007
„Sechs geile Jahre - danke Natze“ - mit diesem Transparent verabschiedeten die Fans des FFC Turbine Potsdam ihre ‚WM-Heldin’. Denn Nadine ‚Natze’ Angerer, die Torfrau von Weltmeister Deutschland, zieht es in den hohen Norden.
Bei Djurgarden/Alvsjö Stockholm wird die beste WM-Torhüterin von Mitte Januar an für zwei Jahre in der stärksten Frauen-Liga der Welt die Stiefel schnüren. Obwohl es immer ihr Wunsch war, in Schweden zu spielen, hatte die 29-Jährige bei ihrem Abschied aus Potsdam eine Träne im Knopfloch. „Die sechs geilen Jahre - die werden bleiben. Mein Herz gehört Potsdam“, verkündete sie nach dem Pokalspiel gegen den 1. FFC Frankfurt, das Turbine unglücklich 0:1 verlor. „Der Teamgeist dieser Mannschaft war die schönste Erfahrung, die ich in all den Jahren machten konnte“, begründete die Keeperin. 2004 und 2006 wurde sie mit Turbine Meister, gewann dreimal den DFB- und 2005 den UEFA-Pokal.
Aber erst seit dem WM-Triumph ist ihr Name in aller Munde - eine Ehrung jagte die nächste: Erst erhielt sie von Bundespräsident Horst Köhler das Silberne Lorbeerblatt. Sie bekam den ‚Bambi’, wurde zur ‚Medienperson des Jahres’ erkoren und in Brandenburg zur ‚Sportlerin des Jahres’ gekürt. Auch bei ‚Wetten dass...?’ war sie gern gesehener Gast. Bei der ‚Sportler des Jahres’-Ehrung in Baden-Baden bestieg sie gleich zweimal das Podest: Mit der Mannschaft wurde sie knapp hinter den Handballern Zweite, bei der ‚Sportlerin des Jahres’ Dritte.
Mit dem Helden-Begriff kann Angerer jedoch nicht viel anfangen. „Heldin klingt immer etwas komisch.“ Doch, was sie da in den WM-Tagen leistete, findet Aufnahme in das Guinness-Buch der Rekorde: Noch nie blieb ein Torwart oder eine Torfrau im Verlauf eines WM-Turniers ohne Gegentor. Endgültig war der Titelgewinn mit ihrem Namen verbunden, als sie in der 63. Minute des Finales den Elfmeter der Brasilianerin Marta parierte. „Von da an wusste ich, dass uns niemand mehr bei der WM ein Tor reinhauen wird“, bekannte auch Cheftrainerin Silvia Neid.
Obwohl es schon das sechste große Turnier für die im bayerischen Lohr am Main geborene Torhüterin war, fuhr Nadine Angerer ohne eine Minute WM- oder EM-Erfahrung nach China. Immer hatte sie in Silke Rottenberg, die 2007 eine lange Verletzung zurückwarf, eine noch Bessere vor sich. Doch diesmal nutzte sie von Beginn an ihre Chance. „Der Druck war Wahnsinn und nach der WM hat sich meine Lunge auch ein bisschen beschwert.“ Denn nach der WM führten eine Lungenentzündung und eine Medikamenten-Allergie zu einer mehrwöchigen Zwangspause.
Für das neue Jahr hat Nadine Angerer zwei Ziele: Mit dem DFB-Team möchte sie den ersten Olympiasieg erkämpfen und mit Djurgarden an der Seite der Ex-Potsdamerin Ariane Hingst Meister werden. „Wir wollen den Champion Umea mit Marta ärgern, vielleicht klappt es“, hofft sie.
Ganz privat träumt sie nach dem Karriere-Ende von einer Fahrt von Berlin nach Kapstadt mit ihrem alten VW-Bus, der mit Hilfe der WM-Prämie instand gesetzt werden soll. Überhaupt sieht sie ihre Zukunft auf dem schwarzen Erdteil. „Die Schönheit des Kontinents und die Leidenschaft der Afrikaner für den Fußball“, nennt sie als Gründe für ihre Leidenschaft. Ein Job als Trainerin in einer afrikanischen Fußballschule steht daher für sie ganz oben auf der Wunschliste.
dpa
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Geschrieben von: Stephan R.T.
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