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  • SC Fortuna Köln, 16. Februar 2017

     
    Ambitionierte Störche auf der Suche nach Auftrieb – Holstein Kiel im Gegnercheck

    „Wir wollen innerhalb der nächsten drei Jahre hoch“, so der Geschäftsführer Sport Ralf Becker von Holstein Kiel nach seinem Amtsantritt im vergangenen Juni. Seine Worte spiegeln sich in den Sommer- und Wintertransferhandlungen des Vereins wider. Man schustert sich einen Kader zusammen, über den das Ziel zweite Bundesliga kurz- bzw. mittelfristig erreicht werden kann.

    Aktuelle Lage

    Mit dreißig Punkten aus einundzwanzig Spielen steht Holstein Kiel zurzeit auf dem zehnten Tabellenplatz. Durch eine Spielabsage am vergangenen Wochenende bei den Sportfreunden Lotte hat man ein Spiel weniger. Trotzdem ist man mit 30 Zählern nur fünf Punkte vom Aufstiegs-Relegationsplatz entfernt. Aus der Winterpause starteten die Störche mit zwei Unentschieden allerdings bislang nicht optimal. Zuletzt kam man gegen den VfR Aalen nicht über ein 2:2 hinaus, obwohl man zur Halbzeit mit 2:0 in Führung gelegen hatte. Nachdem man Aalen in der ersten Halbzeit nach Belieben beherrschte, sorgte der zweite Abschnitt für Ernüchterung an der Förde. Für Kiel war es zudem die siebte Punkteteilung in den letzten zehn Partien - man kommt nicht so recht vom Fleck. Es bleibt der positive Faktor, dass man immerhin nur eine der besagten zehn Begegnungen verlor. Doch auch bei der Niederlage gegen Sonnenhof Großaspach hatte Holstein zunächst vorne gelegen. Es ist ein Paradoxon in Kiel: Wohl kaum eine Mannschaft hat so viele Möglichkeiten in der Offensive, Chancen zu kreieren. Allein es mangelt an Toren. Schon fünfmal endeten Partien von Kiel 0:0. So spielt Holstein meist einen ansehnlichen Fußball, ohne sich dafür mit Punkten zu belohnen. Wohl auch deshalb holte man im Winter mit Duksch und Azemi noch mal zwei Offensivakteure. Ein Merkmal, dass Kiel die bisherige Saison wie keine andere Mannschaft mit sich schleift: Die engen Spiele schlagen zu selten in Richtung der Störche aus.

    Neue-alte Kollegen mit einer klaren Philosophie

    Markus Anfang ist seit Ende August Trainer von Holstein Kiel. Kiel ist die erste Profi-Trainerstation des 42-Jährigen, zuvor war er Trainer im Jugendbereich von Bayer 04 Leverkusen. Mit der U17 von Leverkusen wurde Anfang deutscher Meister, nun versucht er sein Glück in der 3. Liga. Hier soll der gemeinsame Weg für den jungen Trainer und Holstein Kiel aber nicht enden. Ralf Becker, ehemaliger Chefscout vom VfB Stuttgart und heutiger Geschäftsführer Sport von den Störchen, lotste den gebürtigen Kölner nach Kiel. Auch er ist erst seit Sommer 2016 beim ambitionierten Drittligisten, formulierte aber schnell klare Ziele nach seiner Ankunft: "Wir wollen innerhalb der nächsten drei Jahre hoch." Anfang war und ist auf diesem Weg Beckers Wunschlösung, nachdem man sich nach nur vier Spieltagen von Karsten Neitzel getrennt hatte. Zu Beginn von Anfangs Profikarriere spielten er und Becker sogar zusammen für die Werkself. Nun kreuzen sich die Wege der beiden erneut. Anfang möchte gerne offensiv spielen, stellte kurz nach seinem Amtsantritt sofort klar: "Wir wollen immer den Ball haben und dominieren. Wir wollen auf dem Spielfeld bestimmen, was passiert." Eine Aussage, die sich in den Partien von Holstein Kiel erkennen lässt.

    Sommer-Neuzugänge wissen zu überzeugen

    Spätestens seit Sommer hat Holstein Kiel auch den Kader, um den Spielen in der dritten Liga seinen Stempel aufzudrücken. So hat man rund um die Achse Kronholm-Czichos-Siedschlag-Lewerenz eine attraktive Mannschaft zusammengestellt, über die kurz- oder langfristig der Weg in die zweite Bundesliga gelingen könnte. Mit Alexander Bieler, Dominick Drexler und Kingsley Schindler konnte man in erster Linie offensiv starke Akteure für sich gewinnen. Alexander Bieler kam vom SV Sandhausen und kurbelt mit seinem Passspiel die Offensive an. Im Mittelfeld ist er vielseitig einsetzbar. Dominick Drexler ging zuvor für den VfR Aalen auf Torejagd, beendete dort die letzte Saison mit neun Toren und sieben Vorlagen. Auch bei den Störchen stellt er seine Treffsicherheit derzeit eindrucksvoll unter Beweis und ist mit seiner Kreativität immer wieder für Überraschungen gut. Zusammen kommen Bieler und Drexler auf 72 Einsätze in der zweiten Bundesliga. Kingsley Schindler war zuletzt für Hoffenheims U23 im Einsatz. Mit derzeit drei Toren und fünf Vorlagen zeigt er, dass er nicht nur Regionalliga kann. Mit etwas Verspätung ist auch Dominic Peitz angekommen, nachdem ihn zunächst ein Innenbandriss im Knie zum Zuschauen zwang. Als Routinier stabilisiert er vor der Abwehr die Defensive. Mit der Erfahrung von 176 Zweitliga-Spielen kann er ein Spiel im Zentrum lenken. Gegen Aalen musste er gelb-rot gefährdet zur Pause ausgewechselt werden. Kiel verlor die Kontrolle über das Spiel und musste sich am Ende mit einem 2:2 begnügen.

    Wintertransfers in den Startlöchern

    Nach einer durchschnittlichen Hinrunde für Holstein Kiel wurde man im Winter abermals auf dem Transfermarkt tätig und verstärkte sich hauptsächlich mit Leihspielern. Mit Marvin Ducksch und Ilir Azemi wird man wohl in Zukunft noch mehr auf eine offensive Ausrichtung des Kaders bauen. Beide Youngsters haben ihr Potential in den ersten beiden Ligen schon angedeutet, wollen nun bei den Störchen weitere wichtige Erfahrungen für die nächsten Karriereschritte sammeln. Mit der Leihe von Linksverteidiger Christopher Lenz reagiert man auf die Verletzungsprobleme von Patrick Kohlmann. Des Weiteren verpflichtete man mit Joel Gerezgiher einen variabel einsetzbaren Perspektivspieler, der den Sprung in einer höheren Liga aufgrund von Verletzungen bislang nicht geschafft hat. Lenz und Azemi durften beim 2:2 gegen Aalen bereits mitwirken. Ducksch und Gerezgiher werden den Störchen aber wohl noch zunächst verletzungsbedingt fehlen. Sobald beide genesen sind, werden aber auch sie sich in Kiels namhafter Offensive präsentieren dürfen. Es wäre aber falsch Holstein Kiel nur auf ein hohes Potential im Angriff zu reduzieren. Nicht umsonst stellt der nördlichste Profi-Klub in Deutschland die drittbeste Defensive hinter Duisburg und Halle. Generell befinden sich nur diese drei Vereine unter der 20er-Marke, wenn es um das Thema Gegentore geht. Es kommt nicht von ungefähr, dass diese Klubs auch alle in der oberen Tabellenhälfte verankert sind.

    Im Fokus: Rafael Czichos

    Teil der souveränen Kieler Abwehr ist Rafael Czichos. Der 26-Jährige kann in der Defensive als Innenverteidiger, aber auch als Linksverteidiger eingesetzt werden. Czichos wechselte im Sommer 2015 aus Erfurt in die Hauptstadt von Schleswig Holstein. Dass der Verteidiger dort nach nur einem Jahr zum neuen Kapitän beordert wurde, spricht für großes Vertrauen, das man ihm entgegenbringt. Czichos zahlt dieses Vertrauen nicht nur durch gute Abwehrarbeit zurück. Der 26-Jährige bringt sich auch im Spiel nach vorne erfolgreich ein. In der letzten Spielzeit erzielte er insgesamt sieben Tore in der Liga. Außerdem brachte er die Störche im DFB-Pokal zwischenzeitlich gegen den VfB Stuttgart in Führung. In Erinnerung wird Fans von Holstein Kiel und der dritten Liga besonders der Dreierpack gegen Sonnenhof Großaspach geblieben sein. Zweimal traf er in diesem Spiel mit dem Kopf und einmal per Freistoß. Zusätzlich traf Czichos noch ins eigene Tor, änderte damit aber nichts mehr am Spielverlauf.

    In dieser Saison kommt der Verteidiger bislang auf ein Tor und eine Vorlage. Dies tut seiner Wichtigkeit für die ambitionierten Störche jedoch keinen Abbruch – der gebürtig aus Saudi Arabien stammende Czichos ist absoluter Leistungsträger von Holstein Kiel und bei der Mission zweite Bundesliga für die Störche unentbehrlich.

    Fortuna

    Zur Tabelle der dritten Liga

    Geschrieben von:  Stephan R.T.

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