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  • FC Bayern München, 31. März 2011

     
    Auch die Schickeria München spricht sich gegen eine Rettung des TSV 1860 München aus

    Wie es mit dem Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München weiter geht, weiß niemand so genau. Der Verein ist im Grunde bankrott und braucht dringend frisches Kapital, um eine Insolvenz noch zu verhindern. Ausgerechnet der große Rivale FC Bayern München soll dabei als Retter zur Verfügung stehen, was die Fans beider Lager seit Tagen auf die Barrikaden bringt. Nach den Anhängern der Löwen und den Fanclubs des Rekordmeisters haben nun auch die Ultras der Roten, die Schickeria München, Stellung bezogen:

    Erklärung der Schickeria München: Koan Cent! Koan Neuer! Koa One-Man-Show!

    Nachdem unsere Fanszene in den letzten Jahren immer wieder schaudernd aber doch weitgehend schweigend mitansehen musste, wie unser geliebter FC Bayern in Gestalt seiner Verantwortlichen den kränkelnden Lokalrivalen durch Testderbies (Freundschaftsspiele mit den Blauen gibt es nicht!) und großzügige Hilfsmaßnahmen am Leben und damit im Stadion am Kurt-Landauer-Weg erhalten hat, ist das Maß nun endgültig (über)voll!

    Vorstandsvorsitzender Karl Heinz Rummenigge erklärte auf der letztjährigen Jahreshauptversammlung, eine weitere finanzielle Hilfe sei ausgeschlossen, Vereinspräsident Uli Hoeneß versicherte, man wolle den Blauen nicht mehr über Gebühr unter die Arme greifen und Karl Hopfner sagte noch vor zwei Wochen öffentlich, die Giesinger werden keine Unterstützung mehr erfahren. Nun wird vor unserer aller Augen in einer unglaublichen Dreistigkeit das genaue Gegenteil als ‚absurdes Theater‘ aufgeführt. Der (?) FC Bayern bzw. seine obersten Funktionäre treten wieder mal als Retter des Turnvereins auf. Ein Hohn! Von hierhin zum Vorwurf des VERRATS am eigenen (?) roten Lager (in den Augen von manch selbsternanntem ‚Traditionalisten‘ wohl nur noch ein Anachronimus) ist es nicht mehr weit...

    Die ‚echten Blauen‘ wollen es nicht (obwohl sie den letzten Funken Stolz doch schon lange verkauft haben) und die ‚echten Roten‘ wollen es gleich zweimal nicht – während sich fleißig B-Promis, Karteileichen-Fanclubs, die nicht den Weg ins Stadion finden und bornierte Vereinspräsidenten kräftig ins Zeug legen aller Welt die Turner als Münchner ‚Kulturgut‘ zu verkaufen, welches unbedingt erhalten werden müsse. Da darf man schon die Frage stellen: Für wen wird DIESER Fußball eigentlich noch inszeniert? Für die, die mit Herz und Leidenschaft dabei sind offensichtlich nicht mehr.

    Wie die öffentlich geradezu zelebrierten Ereignisse zwischen Säbener- und Grünwalderstraße beweisen, wurde uns Mitgliedern bei der letzten Jahreshauptversammlung – so gar nicht ‚FC Bayern like‘ – direkt und unverschämt ins Gesicht gelogen und selbst als intern schon längst über ein Rettungspaket verhandelt wurde, hielt man uns weiterhin zum Dummen. Manch einer der oberen Herren an der Säbener Straße vergisst wohl ganz gerne, dass sich der Verein noch immer aus der Gesamtheit seiner Mitglieder konstituiert und auch wenn gewiss nicht jede Angelegenheit per Mitgliederentscheid entschieden werden soll und kann, so ist es doch das Mindeste, Mitglieder vor unpopulären Entscheidungen nicht vollkommen im Dunkeln über die kommenden Ereignisse zu lassen. Dies ist eine Frage von Anstand und Respekt – zwei Dinge, die man sich in anderem Kontext oft selbst auf die Fahnen schreibt.

    Abgesehen davon muss es natürlich trotzdem (zumindest ein paar) Dinge geben, in denen auf das ‚moralische Veto‘ der engagiertesten Mitglieder und der Südkurve gehört werden muss: dafür stehen Dinge wie ‚Rettung der Blauen‘ oder ‚Verpflichtung von Schalke-Ultra Neuer‘ geradezu beispielhaft. Es gibt – trotz Sport und Business – ein paar Dinge, die TABU sind und es bleiben sollten!

    Hat der Vorstand des FC Bayern solch ein Verhalten in der Vergangenheit immer wieder mit wirtschaftlichen Zwängen begründet, muss er sich mittlerweile zweifellos die Frage gefallen lassen, ob er ernsthaft erwartet, auch nur einen Cent wiederzusehen, den er in das bodenlose Fass an der Grünwalder Straße wirft. Der Club Nr. 12 hat in seinem offenen Brief deutlich dargelegt, wie unwahrscheinlich ein Gesunden des Rivalen auch bei einer erneuten Hilfe durch uns wäre. Selbst wenn man vollkommen nüchtern und rational an die Sache herantritt scheint der Rettungsversuch also zumindest fragwürdig. Allerdings sind wir Fußballfans, und als solche befragen wir vor einer Entscheidungsfindung nicht nur den Kopf, sondern immer auch Herz und Seele. Und beide sprechen da eine eindeutige Sprache: Für uns geht es hier um einen glasklaren und durch nichts zu entschuldigenden Tabubruch, um ein SAKRILEG: Darum, einem Verein wieder Lebensatem einzuhauchen, der seit Jahrzehnten keinen anderen Existenzgrund mehr hat, als unserem FC Bayern und seinen Mitgliedern und Fans ans Bein zu pissen (und, nebenbei bemerkt, die Stadt München zu blamieren). Diese Ansicht teilt scheinbar auch die Vorstandschaft von AG und Verein. Vereinspräsident Uli Hoeneß sprach auf der letzten Jahreshauptversammlung selbst davon, dass der FC Bayern immer wieder „Opfer unglaublicher Angriffe, die teilweise auch unter der Gürtellinie waren“ war. Doch was schert ihn sein Geschwätz von gestern – manch einer würde sagen, dass dies doch damals schon ‚populistische Scheiße‘ war. Mit den Bayernfans kann man offensichtlich ALLES (Neuer, 60, etc.) machen...

    Aber auch abgesehen von diesen vor allem finanziell motivierten Undankbarkeiten der Giesinger Bananenrepublik gibt es für uns mehr als genug Gründe, diesem Verein alles erdenklich Schlechte zu wünschen:

    - Diesem Verein, der jahrelang weit über seinen Möglichkeiten gespielt und uns dabei schmerzhafte Niederlagen verpasst hat, nach denen uns Schul- und Arbeitskollegen, Bekannte oder einfach nur irgendwelche Spinner in der U-Bahn im Ohr lagen und uns mit den Geschichten von ihren glorreichen Löwen den letzten Nerv raubten.

    - Diesem Verein, den der FC Bayern schon bei jedem Derby mit drei Toren Unterschied aus dem Stadion schießen musste, damit sich er und seine Fans nicht als moralische Sieger feierten.

    - Diesem Verein, der sich entgegen aller Realitäten als Münchens große Liebe geriert, obwohl die Zuschauerzahlen schon vor der Gründung der Bundesliga und seinem sportlichen Niedergang deutlich machten, wer Münchens wahre Liebe ist.

    - Diesem Verein, dessen Fanszene einzig der Hass auf den roten Lokalrivalen eint und in der zumindest Teile jeden Angriff auf Bayernfans zu einem wahren Heldenmythos verklären.

    - Diesem Verein, der als Untermieter verhindert, dass dem FC Bayern nach über 80 Jahren endlich wieder eine Spielstätte in eigenem Besitz und zur alleinigen Nutzung zur Verfügung steht.

    Dies mögen keine ‚bilanzierungsfähigen‘ Gründe sein oder solche, die zur Verleihung des ‚Gutmenschen-Ordens‘ beitragen, aber es sind die Dinge, die uns als Fußballfans und Bayernmitglieder bewegen! Und dass wir als Bayern die Blauen am liebsten in Liga 5 sehen wollen, versteht ja angeblich sogar Herr Hoeneß. Also soll er die Turner jetzt auch mit dem vielzitierten Defiliermarsch in Richtung Vaterstetten aus dem Stadion führen. Jeder Cent für ihre Rettung wäre in unseren Augen nicht nur ein Cent zuviel – sondern eine Demonstration von Ignoranz und ein Sakrileg für jeden aufrechten Bayernfan!

    GIESING DELENDA EST.

    Geschrieben von:  Stephan R.T.

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