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  • Krefelder FC Uerdingen 05, 07. Januar 2008

     
    Rebellion am Niederrhein - Ein GesprÀch mit Andreas Klausmann

    Seit lĂ€ngerem ist bekannt, dass der KFC Uerdingen erneut Geldprobleme hat. Das dritte Mal innerhalb von vier Jahren droht die Insolvenz. Es bedarf wohl mehr, als nur einer kurzfristigen Finanzspritze. Das dachte sich auch Andreas Klausmann, der GrĂŒndungsmitglied der Initiative ‚Die Traditionsretter’ ist. Ihr Ziel lautet: Rettung des KFC Uerdingen und VerĂ€nderung der Vereinsstrukturen vom gegenwĂ€rtigen System, das von Distanz zwischen Vorstand und Mitgliedern geprĂ€gt ist, hin zu der Realisierung des Konzepts des ‚Vereins der Mitglieder’.

    Wie er zunÀchst das Geld auftreiben will, was der Verein der Mitglieder ist und warum eine Revolution im Gange ist, das erklÀrte uns Andreas Klausmann im GesprÀch.

    Könnten Sie fĂŒr die Leser noch einmal kurz zusammenfassen, um was es sich bei den ‚Traditionsrettern’ handelt?

    ‚Die Traditionsretter’ sind entstanden als eine Initiative oder Interessengemeinschaft aus der Gruppe ‚Fußballclubmanagement’ auf der Business-Plattform ‚Xing’. Das heißt, es handelt sich um Leute die in der Industrie tĂ€tig sind und die sich eben fĂŒr den Spezialaspekt Fußballclubmanagement interessieren. Es sind keine Leute, die im Fußballklubmanagement bereits tĂ€tig sind. Jeder Traditionsretter will ein Doppeltes. Das erste ist, dass der KFC vor der drohenden Insolvenz gerettet wird, um dann, in einer zweiten Phase bis zum Ende der Saison, den KFC zum ‚Verein der Mitglieder’ umzugestalten. Das heißt, dass die Mitglieder in Zukunft den Verein direkt fĂŒhren.

    Auf ihrer Internetseite wollen Sie die so genannten ‚Hunnen’ werben. Wie viele Personen dĂŒrfen sich denn schon als ‚Hunnen’ bezeichnen, und wie viele benötigen Sie noch?

    Wir brauchen noch sehr viele ‚Hunnen’! Der Name ‚Hunne’ ist ja erstmal eine schlichte Verballhornung. Das sind ganz einfach ‚Hunni-Geber’. Es ging damit los, dass ich gesagt habe, „also ich gebe den tausendsten Hunni“, weil wir etwa 100.000 Euro beitragen mĂŒssen. Der Rest wird dann aus den beiden Freundschaftsspielen, die Uerdingen gegen den MSV Duisburg und Rot-Weiß Oberhausen spielen wird, kommen.

    Wir hatten wenig Zeit und viele Feiertage, sodass wir bis jetzt (Stand: Montag, 07.01.2008 Vormittag) bei hundert ‚Hunnen’ sein könnten. Deswegen haben wir uns auch in den letzten Tagen verstĂ€rkt darauf verlegt, durch die zunehmende Resonanz auch darum zu werben, dass Firmenpatenschaften ĂŒbernommen werden, dass vielleicht auch ein Unternehmen als grĂ¶ĂŸerer Sponsor einsteigt.

    Auf Ihrer Homepage sprechen Sie von einer ‚Niederrheinischen Rebellion’ und von einem ‚Umsturz’. Was genau ist denn dieses revolutionĂ€re Moment in Ihrem Konzept?

    Das revolutionĂ€re Moment besteht darin, dass es eigentlich gar nichts RevolutionĂ€res gibt. Die deutschen Sportvereine hatten eigentlich immer schon eine grundsĂ€tzlich demokratische Verfasstheit, so zu Zeiten, als wir noch ein Kaiserreich hatten. Allerdings stammt auch unser Vereinsgesetz aus dem Kaiserreich. Und damals wurden teilweise die Straßenbahnen noch von Pferden gezogen und der Postzug von Krefeld nach Königsberg brauchte drei Tage. Da ging es natĂŒrlich nicht anders, als dass man einen handlungsfĂ€higen Vorstand vor Ort hatte, der die Dinge fĂŒr einen Verein regelte, weil eben schnell reagiert werden musste - diese Zeiten sind natĂŒrlich vorbei.

    Ich habe heute ĂŒberhaupt kein Problem mehr, dass ich notfalls mit Brasilien oder Hongkong Kontakt aufnehme, Dokumente verschicken kann, Meinungen Ă€ußern kann usw.. Deswegen gibt es in unseren Augen keinen Grund mehr dafĂŒr, dass der Vorstand nur einmal im Jahr gewĂ€hlt wird, nĂ€mlich auf der Jahreshauptversammlung und dann im Prinzip mehr oder minder frei entscheidet und sich dann auf der nĂ€chsten Jahreshauptversammlung dafĂŒr rechtfertigt oder eben auch nicht. Das ist genau das, was wir vorhaben zu Ă€ndern. Die Mitglieder sollen an Detailentscheidungen mitwirken können, sie sollen ein Vorschlags- und Abstimmungsrecht haben. Der Vorstand ist dann verpflichtet, diese Vorgaben zu erfĂŒllen. Das geht durchaus im Rahmen des heutigen Vereinsgesetzes und der DFB-Statuten. Uerdingen, zum Beispiel, erfĂŒllt mit seiner Satzung den höchsten Standard des DFB, nĂ€mlich denjenigen fĂŒr Großfußballvereine.

    Und das (Anm.d.Red.: der ‚Verein der Mitglieder’) ist in der heutigen Zeiten schon beinah als Rebellion zu werten. Obwohl es, in unseren Augen, eigentlich nur den Wortsinn des Wortes ‚Verein’ erfĂŒllt. Denn das hat ja etwas mit ‚vereint’ zu tun, das heißt also der vereinte Wille der Mitglieder muss den Verein tragen. Das ist das, was wir die ‚Niederrheinische Rebellion’ nennen - weil Krefeld halt am Niederrhein liegt!

    Sind die ‚Traditionsretter’ nun eine Initiative die gerade wegen und fĂŒr den KFC Uerdingen entstanden ist oder wĂ€re diese Initiative auch ohne diesen ‚glĂŒcklichen Zufall’ entstanden?

    Die ersten Gedanken darĂŒber, die ‚Traditionsretter’ oder etwas Ähnliches zu grĂŒnden, hat es unabhĂ€ngig vom KFC Uerdingen gegeben. Wir hatten uns schon in dieser ‚Xing’-Gruppe, die ich bereits erwĂ€hnt hatte, vor lĂ€ngerer Zeit darĂŒber unterhalten, ob es nicht möglich wĂ€re, dem von uns so genannten ‚Willenskapitalismus’ etwas entgegenzusetzen und sind dabei natĂŒrlich auch auf die Initiative in England gestoßen, die berĂŒhmte myfootballclub.co.uk. Ich habe mir die Sache dann nĂ€her angeschaut und festgestellt: so geht es in Deutschland nicht, in Deutschland kann man keine Vereine kaufen, schon gar keine Sportvereine. Deswegen hatten wir die grundlegendere Idee, wie man so etwas auch unter DFB-Bedingungen realisieren könnte, schon vorher entwickelt, was man auch in unserem ‚Xing’-Forum nachlesen kann.

    Wir haben uns damals gefragt, welche Vereine denn eigentlich in Frage kĂ€men - denn der KFC ist wirklich nicht der einzige, der in Schwierigkeiten ist. Allerdings hat Uerdingen einige entscheidende VorzĂŒge, weshalb wir es schon sehr zu schĂ€tzen wissen, dass wir es mit diesem Verein machen können. Es ist erstens ein Verein, der eine sehr große Tradition hat, es ist ein Verein, der ein fantastisches Stadion mit guter Infrastruktur und Anbindung hat, also damit Entwicklungspotential zeigt. Es ist auch ein Verein, der sich auf eine, zwar zahlenmĂ€ĂŸig nicht allzu große, dafĂŒr aber sehr aktive und steinharte Fangemeinde verlassen kann. Und es ist ein Verein, der die Voraussetzungen erfĂŒllt, auch außerhalb seines unmittelbaren Einzugsbereichs gekannt zu werden. Das ist einfach ein sehr großer Vorteil. Wenn man vom KFC Uerdingen spricht, denkt man sofort an das 7:3 gegen Dresden (Anm.d.Red.: legendĂ€res UEFA-Cup Spiel gegen Dresden, das nach 0:2 Hinspiel-Niederlage und 1:3-HalbzeitrĂŒckstand in den zweiten 45 Minuten doch noch gewonnen wurde.). Und das sind sozusagen ideale Voraussetzungen.

    Hinzukommt, dass die Schulden des Vereins, ich sag es mal so platt, relativ ĂŒberschaubar sind. Das, was hier zur Katastrophe fĂŒhren soll, ist ein Betrag, ĂŒber den jeder Drittligamanager nur lachen wĂŒrde, und das ist natĂŒrlich ein wichtiger Aspekt. Man braucht nicht daran zu denken, mit so einem Projekt z.B. den 1.FC Kaiserslautern retten zu wollen. Da sind die Verstrickungen der Interessengruppen zu groß, und auch der Schuldenberg – das ist nicht zu stemmen. Bei den, bis Saisonende, ca. 250.000 bis 300.000 Euro mĂŒsste es mit unserem Konzept theoretisch machbar sein.

    Sie wollen weg vom ‚Eventfußball’, wie Sie selbst auf Ihrer Internetseite schreiben. WĂŒrde es dann nicht genĂŒgen, wenn Sie durch einen Zwangsabstieg in einer unteren Liga, sagen wir der Kreisliga, spielen?

    (lacht) Eins ist natĂŒrlich richtig, nĂ€mlich dass in den unteren Klassen kaum Eventfußball geboten wird. Aber wir glauben nicht, dass es auch jenseits der Verbandsliga einen Eventfußball geben muss. Wir wollen einfach nicht, dass die Betrachtungsweise, die in den letzten 20 bis 25 Jahren Überhand genommen hat, nĂ€mlich die rein wirtschaftliche Betrachtungsweise eines Vereins, als die allein selig-machende Doktrin gilt. Wir sind davon ĂŒberzeugt, dass die Haltung, die frĂŒher vorherrschte, und an die sich Leute der reiferen Generation, wie wir, erinnern. NĂ€mlich, dass es in den 60er Jahren durchaus andere Betrachtungsweisen von Fußballvereinen gab. Seinerzeit ging es nĂ€mlich darum, dass traditionelle Werte, also Identifikation mit dem Verein, KontinuitĂ€t oder Verbundenheit mit der Region, wie aber auch sauberes wirtschaften - obwohl es natĂŒrlich auch da schlechte Beispiele gibt – noch etwas zĂ€hlten.

    Wir wollen einfach nicht, dass irgendwelche ‚Heuschrecken’ die Fußballvereine, die vielen Leuten sehr viel bedeuten, irgendwann einmal als Spielzeug nehmen. Damit sind im Übrigen nicht Personen gemeint wie Roman Abramowitsch (Anm.d.Red.: russischer Oligarch, kaufte sich bei den Fußballklubs FC Chelsea/England und, in geringerem Umfang, ZSKA Moskau/Russland ein) oder Dietmar Hopp (Anm.d.Red.: deutscher Unternehmer, MitbegrĂŒnder des Softwareunternehmens SAP und Geldgeber fĂŒr Vereine aus vielen Sportarten), die zwar auch aus persönlichen GrĂŒnden, aber eben auch auf einer wirtschaftlich, juristisch und organisatorisch sicheren Basis ihre Klubs unterstĂŒtzen. Wir meinen, wenn wir denn gegen irgendetwas kĂ€mpfen, vor allem an Fußballvereine herantretende Investorengruppen, mit QuartalsberichtsmentalitĂ€t. Der Quartalsbericht ist fĂŒr einen Fußballverein ein ungeeignetes Steuerungsmittel.

    Neben den ‚Traditionsrettern’ gibt es eine weitere Initiative die sich fĂŒr den KFC Uerdingen einsetzt, nĂ€mlich ‚Krefeld wĂ€hlt’. Welche Beziehung haben sie untereinander?

    Wir haben natĂŒrlich durch die Krefelder Retter der Tradition, die ‚Hunnen’, sofort Kontakt zu ‚Krefeld wĂ€hlt’ aufgenommen. Wir sind in engster Abstimmung, weil wir natĂŒrlich unbedingt vermeiden wollen, dass irgendjemand auf die Idee kommt, dass wir in irgendeiner Weise in Konkurrenz zueinander stehen. Darum geht es auch ĂŒberhaupt nicht. Wir haben eine ganz schlichte Trennung vereinbart: ‚Krefeld wĂ€hlt’ ist vor Ort und macht die Sachen vor Ort, ‚Die Traditionsretter’ arbeiten ĂŒber ganz Deutschland verstreut. Die einzige Ausnahme, die es geben könnte, wĂ€re, wenn ‚Krefeld wĂ€hlt’ uns fragt, ob wir etwa einen Drucker haben, der ihnen 25.000 BlĂ€tter drucken kann und wir damit helfen können. Das war aber bis jetzt noch nicht nötig und ist auch nicht absehbar. Aber wir sind in engem Kontakt, wir sind ĂŒberhaupt keine Konkurrenz zueinander.

    Letzte Frage: Wie zuversichtlich sind Sie?

    Ich bin, offen gestanden, sehr zuversichtlich. Ich glaube zwar, dass wir nicht mehr die 1.000 ‚Hunnen’ zusammenbekommen. Ich glaube aber, dass durch das zunehmende Presseecho und die zunehmende PopularitĂ€t, mittlerweile auch grĂ¶ĂŸere Sponsoren als die ‚Hunnen’ sich langsam dafĂŒr interessieren. Es sind eben auch nicht mehr nur Krefelder Unternehmen, die in der Vergangenheit sowieso schon teils sehr stark in Anspruch genommen wurden. Es gibt auch interessante Schreiben wie „Hallo, ich bin in Krefeld groß geworden...jetzt habe ich meine eigene Firma...ich schieb' jetzt mal 1.000 Euro rĂŒber!“. Und ein Tausender sind zehn ‚Hunnen’! Das ist natĂŒrlich genial. Und dieser Herr rechnete uns dann auch vor, dass es eigentlich egal ist, ob wir tausendmal 100 Euro oder hundertmal 1.000 Euro bekommen. Wir haben dann natĂŒrlich gesagt: „Ja. ist uns völlig egal. Hauptsache der Verein wird gerettet“.

    Und ich glaube, dass wir auf diese Art und Weise durchaus eine Chance haben. Wir wissen nĂ€mlich auch, dass der Insolvenzverwalter, Eberhard Stock, der ja nicht die erste Insolvenz mit dem KFC durchzieht, durchaus ĂŒber ein blau-rotes Herz verfĂŒgt, also ein Freund des KFC Uerdingen ist. Und auch wir haben genĂŒgend Insolvenz-Erfahrung. Mein Kollege Uwe Paesch (Anm.d.Red.: weiteres GrĂŒndungsmitglied der Initiative) und ich sind Unternehmensberater. Wir wissen, dass es letztlich auf eine Sache ankommt. Der Insolvenzverwalter muss den Eindruck haben, dass es mehr Sinn macht, weiterarbeiten zu lassen und zu versuchen, noch etwas zu erwirtschaften, als die Bude zu schließen. Das stimmt natĂŒrlich fĂŒr einen Verein ganz besonders. Denn von einer, wie auch immer gearteten, Insolvenzkasse kann ja hier keine Rede sein. Es ist ja nichts da! Was will man? Die alten Trikots verhökern? Damit könnte kein GlĂ€ubiger, weder die Krankenkasse, noch der kleinste Lieferant mit irgendeinem Pfennig Geld rechnen.

    Selbst wenn wir den notwendigen Betrag auch nicht auf 100 Euro genau zusammenbekommen, aber wenn wir wenigstens sehr nah herankommen, wenn wir ein ĂŒberzeugendes Konzept vorlegen - und wir halten das ‚Traditionsretter’-Konzept des ‚Vereins der Mitglieder’ fĂŒr ein sehr tragfĂ€higes Konzept - dann wird der Insolvenzverwalter klug genug sein, zu sagen: „Ok, versucht es. Wenn der Verein offensichtlich nicht anders zu fĂŒhren ist (es ist die dritte Insolvenz, vor der wir stehen) dann versucht ihr es mal auf eure Art und Weise.“

    Vielen Dank fĂŒr die Antworten und viel Erfolg bei der Rettung des Vereins!

    Geschrieben von:  thom.as

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