Während einer sehr unspektakulären Stunde, bei der ich mein Desinteresse kundtat, indem ich mit einem anderen Schiffe versenken spielte, unterbrach er mich bei der Zerstörung eines gegnerischen Kreuzers mit den Worten: Ziehst du denn nicht aus der tiefe der Lateinischen Sprache, Verruchter?
Ich antwortete ehrlich:"Ich ziehe eher etwas aus der Tiefe des Raumes. So wie Günter Netzer damals."
Das war eine verbale Angriffserklärung. Der lehrer schritt temporeich auf mich zu, baute sich theatralisch vor mir auf und stemmte die Hände so fest in seine Hüften , dass die Finger knackten. Er nannte mich einen Proletarier, der den Prioritäten des Lebens, den schwachsinn des Jungmännersports vorzieht.
Ich versuchte mich zu verteitigen, indem ich erwiderte: ich verfolge wenigstens einen Idealismus, der durch ästhetische, formvollendete Teilbewegungen geprägt ist.
Schöner Satz, dachte ich. Ein Zitat aus meiner unendlichen sammlung an Fußballliteratur.Dass des Lehrers veraltete Ansichten mit der Fremdsprache konform gingen, die er uns einzutrichtern versuchte, dachte ich noch obendrein.
Er sagte: Diese aggressive Grobmechanik stellst du als Maxime deiner sportlichen Vorstellung dar? Du scheinst geblendet. Anscheinend ist der Fußball deine eigne, Stoische Religion.
Ich erwiederte: Das habe ich so nicht auszudrücken versucht, dennoch bin ich mir sicher, dass gott, sofern es ihn gibt, auch den Fußball erfunden hat. Ob er selbst Fuß anlegt, bleibt wohl unergründet. Da rollte der Lehrer mit den Augen und tobte: Du blasphemischer Taugenichts! Du atheistischer Verherrlicher einer nichtigen Subkultur!
Spontan fiel mir ein: Apropos Kultur. Albert Camus, sagte über diese von ihnen verpönte Sportart: Alles was ich über die Moral des Menschen weiß, verdanke ich dem Fußball. Er war übrigens Torwart bei Racing Universitaire Algier.Die Augen des Lehrers waren weit aufgerissen und leuchteten wie zwei Taschenlampen. Er bebte. Ich fuhr, mich an eine Gedichtsammlung über Fußball erinnernd, ruhig fort: Selbst Literarische größen wie Ludwig Harig schrieben leidenschaftlich über den Fußballsport. Ich zitiere aus Erstes alexandrinisches Sonett über den Fußball: O abgetropfter Ball! O eingeschlenztes Leder! Der.....
Saukrüppel! schrie der Lehrer abschließend und erklärte die Lateinstunde für beendet.
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