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Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See - Die Fans vom FC Hansa Rostock
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  • FC Carl Zeiss Jena, 16. August 2016

     

    Stellungnahme zum Presse-Artikel der Zeitungsgruppe Thüringen vom 16. August 2016


    Von:  Stephan R.T.

    Für die aktive Jenaer Fanszene ist es derzeit nicht nur das Jahrhundertspiel gegen den FC Bayern München, das die Nächte verkürzt. Unzählige kreative Baustellen zum Erhalt der SÜDKURVE Jena sind ebenso zu bearbeiten, wie die Organisation der Unterstützung im jüngst mit vier Siegen aus vier Spielen, ohne Gegentor, äußerst erfolgreich gestarteten Regionalliga-Alltag.

    Am heutigen Morgen fiel hunderten FCC-Fans der Start in den Tag nicht nur deshalb sehr schwer. Ein schwerwiegenderer Grund war ein kurzes Zeitungsinterview mit dem Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter, welcher in Kurzform einige Botschaften aus dem Urlaub in Mittelamerika ent-sandte. Tenor: „Die SÜDKURVE ist nicht zu halten“.

    „Das ist natürlich ein Schlag ins Gesicht für die aktive Fanszene.“, sagt Toni Schley, Organisator der Kampagne ‚crowdFANding.net‘ zum Erhalt der SÜDKURVE Jena und fügt hinzu: „Noch vor Jahren hat unser Oberbürgermeister vollmundig versprochen, dass die SÜDKURVE spätestens im Rahmen des Stadionneubaus wieder komplett den einheimischen Fans zur Verfügung stehen wird.“ Nun soll also der Verlust der SÜDKURVE alternativlos sein!? Nicht wenigen dürfte in dem Zusammenhang die Diskussion um den zur damaligen Zeit angeblich genauso alternativlosen Umzug der FCC-Spielstätte an die Autobahn nach Lobeda in Erinnerung kommen. „Und das Ergebnis und die Wahrheit ist bekannt; offensichtlich funktioniert Politik so“, lächelt Schley kopfschüttelnd.

    Im Folgenden die Stellungnahme der aktiven Fanszene der SÜDKURVE Jena:

    Uns ist bewusst, welch starken Rückhalt das crowdFANding-Projekt den Bemühungen um den Erhalt einer blau-gelb-weißen SÜDKURVE in der Jenaer Fanszene und Bevölkerung gegeben hat. Wir weisen mit aller Entschiedenheit von uns, dass der Kampf um die SÜDKURVE das Stadionprojekt gefährdet oder aufschiebt. Wir können uns allerdings gut vorstellen, dass unser Projekt dazu beigetragen hat, dass die Bevölkerung ein Unverständnis gegenüber den intransparenten Entscheidungen der Stadtspitze entwickelt hat und es somit unter Umständen die Zukunft mancher politischen Kraft in unserer Stadt gefährdet, mehr aber nicht.

    Eine solche Argumentation wird innerhalb der aktiven Fanszene als feige beurteilt. Die Fans empfinden derartige Äußerungen als Respektlosigkeit, angesichts der peinlichen Possen und Ränkespiele, die das Stadion-Projekt nun schon seit Jahren begleiten und die Innovations- und Sportstadt Jena in ein befremdliches Licht rücken. Die vom OB eingeforderte Flexibilität hat die aktive Fanszene spätestens seit der temporären Akzeptanz einer halben SÜDKURVE vor knapp zehn Jahren gezeigt. Damit war und ist die Schmerzgrenze erreicht!

    Eine aktive, aufgeklärte und selbstregulierte Fanszene, die ihren Verein auch in den Niederungen der Regionalliga unterstützt, ist untrennbar mit dem Standort SÜDKURVE verbunden. Wir verweisen an dieser Stelle gern nochmal auf die Expertise des europaweit bekannten Sportsoziologen und von UEFA und FIFA geschätzten Experten Prof. Dr. Gunter A. Pilz und fordern endlich ein klares politisches Bekenntnis. Jede Stadionvariante und jedes Umbauszenario in der Oberaue macht friedliche Fußballspiele im Ernst-Abbe-Sportfeld möglich und trotzdem ist die Fanszene bereit, zusätzliche Kosten selbst zu übernehmen. Nahezu jedes andere deutsche Fußballstadion beweist, dass die Schreckensszenarien (und damit verbundenen Forderungen) der „Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“ realitätsfern sind. Dies soll Angst schüren und das bürgerschaftliche Engagement schmälern.

    Diese Äußerungen spiegeln in keinster Weise den mit uns zum aktuellen Zeitpunkt erreichten Verhandlungsstand wider. Wir sehen diese Verlautbarungen als Vertrauensbruch und als schlechtes Zeichen für weitere Verhandlungen. Jetzt ist in Jena endlich Politik mit Rückgrat und Verlässlichkeit gefragt, ansonsten werden auf Fußball-Jena schwere Zeiten zukommen. Wir sehen uns gerüstet: der Kontakt in die Jenaer Stadtratsfraktionen besteht seit geraumer Zeit.

    Wir geben nicht auf, wir werden kämpfen bis wir unser Ziel erreicht haben.

    SÜDKURVE BLEIBT!


    Expertise zum Konzept der Aufteilung der Stehplatzbereiche in einem umgebauten ‚Ernst-Abbe-Sportfeld‘ Jena:

    Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Umbaus des ‚Ernst-Abbe-Sportfeldes‘ in Jena zum reinen Fußballstadion bin ich um eine Einschätzung zur favorisierten Variante der Aufteilung der Stehplatzbereiche in Gäste- und Heimsektor gebeten worden.

    Zunächst ist zu begrüßen, dass die mittlerweile doch sehr in die Jahre gekommene Anlage des Jenaer Stadions nun in eine DFL-gerechte, moderne Fußballarena umgebaut werden soll. Es ist erfreulich, dass der traditionsreiche FC Carl Zeiss Jena sowie auch Frauen-Bundesligist FF USV Jena eine heutigen Ansprüchen genügende Heimstätte erhalten sollen. Im Vergleich zum jetzigen Zustand mit teilweise wegen Unterhöhlung gesperrten Zuschauerblöcken, demontiertem Flutlicht und einer unmittelbaren Nachbarschaft von Heim- und Gästefanblock sollte sich aus Umbau und Modernisierung eine deutliche Verbesserung der Stadionsicherheit ergeben.

    Problematisch erscheint jedoch der konzeptionelle Ansatz, im neuen Stadion die künftige Südkurve (bzw. Südtribüne) als Gästefanbereich vorzusehen, während man der heimischen Fanszene den Stehplatzbereich auf der Nordseite des Stadions zudenkt. Selbstverständlich ist durchaus nachvollziehbar, dass der Süden des Stadions als Gästefanbereich auf den ersten Blick Vorteile bietet, welche sich aus den Zuwegungsmöglichkeiten für Anhänger des Gastvereins ergeben. Dies lässt jedoch außer Acht, welche Folgen sich hinsichtlich eines Verlustes der angestammten ‚Südkurve‘ rund um die aktive Fanszene des FC Carl Zeiss Jena ergeben können.

    Seit dem Jahre 1980 ist die sogenannte ‚Südkurve‘ des ‚Ernst-Abbe-Sportfeldes‘ (mit Unterbrechungen) der traditionelle Gesellungsort der aktiven jugendlichen Fanszene des Vereins. Ein um die Jahrtausendwende praktiziertes Konzept mit einer Südkurve als reinem Gästefanbereich musste als gescheitert angesehen werden, und seit 2007 ist ein Teil der ‚Südkurve‘ wieder der Stehplatzbereich der aktiven Heimfanszene. Ich kann bestätigen, dass diese ‚Rückeroberung‘ des eigenen Stehplatzbereiches wie auch dessen weitere Entwicklung in Sachen Fankultur der Jenaer Fanszene bundesweit in den Fankurven höchste Anerkennung und großen Respekt eingetragen haben. Quer durch die Ligen und Fanszenen in Deutschland ist ‚DIE Jenaer Südkurve‘ zu einem Qualitätsbegriff geworden, nicht zuletzt auch aufgrund des Engagements der örtlichen Ultra-Szene gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung.

    Dementsprechend hat die ‚Südkurve‘ für die örtliche Fanszene als Gesellungsort und Sozialraum einen außerordentlich hohen Stellenwert und stellt einen besonderen Identifikationsfaktor dar, wovon nicht nur entsprechend gestaltete Szenekleidung oder Tätowierungen zeugen. Demgegenüber hat die Nordkurve des Stadions keine Tradition, sondern wurde vielmehr bis kurz vor die Jahrtausendwende als Gästebereich genutzt. Es ist daher davon auszugehen, dass die aktive Fanszene einen Stehplatzbereich im Norden des neuen Stadions ablehnen wird. Seit dem Bekanntwerden angedachter entsprechender Konzepte hat sich der Slogan ‚Südkurve bleibt!‘ etabliert, und schließlich hat die Fanszene mit beeindruckendem medialem Widerhall und mittlerweile europa- und weltweiter Unterstützung die Kampagne ‚crowdFANding‘ gestartet. Bemerkenswert ist diese Kampagne auch, weil es sich hier nicht etwa lediglich um die Angelegenheit einer einzelnen Ultra-Gruppierung handelt, sondern das Anliegen dem Anschein nach von der gesamten Fanszene und Anhängerschaft getragen wird.

    Um die ‚Südkurve‘ als Heimbereich erhalten zu können, haben Vertreter der Fanszene, wie mir berichtet wurde, erste Konzepte für eine sichere und gastfreundliche Unterbringung auswärtiger Anhänger auf der künftigen Nordtribüne entwickelt, und befinden sich seit geraumer Zeit in einem intensiven Dialog mit Verein, Stadtverwaltung und Polizei. Gerade in Zeiten, wo vielerorts beklagt wird, dass sich Fanszenen dem Dialog verweigern und Kommunikation mit Behörden ablehnen würden, sollte dieses Engagement der Jenaer Fanszene gewürdigt werden und in die bevorstehenden Entscheidungsprozesse einfließen. Die aktuelle Konstellation bietet die einmalige Chance eines Aushandlungsprozesses zwischen Verein, Institutionen und Fanszene, in dessen Ergebnis eine langfristig tragfähige (Kompromiss)Lösung erzielt werden kann, die Fan- und Sicherheitsinteressen in Balance bringt. Ein Erhalt der ‚Südkurve‘ als Heim-Stehplatzbereich stärkt die besonnenen Kräfte und Selbstregulierungsmechanismen innerhalb der Fanszene, so dass von einer Verbesserung der Stadionsicherheit auszugehen wäre. Die Mitglieder der jugendlichen Subkultur wären motiviert, nicht durch Delinquenz die angestrebte Variante zu gefährden. Die hohe Identifikation der Fanszene mit ‚ihrem‘ Stehplatzbereich im Süden des Stadions und die Realisierung eines gastfreundlichen Stehplatzbereiches im Norden der Arena gewährleisten zudem den angestrebten größtmöglichen Abstand zwischen aktiven Heim- und Gästeanhängern innerhalb der Anlage.

    Bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden sollten auch die möglichen Folgen der Durchsetzung eines Gästesektors auf der Südtribüne. Die gewachsene Fanszene mit ihren funktionierenden Strukturen wäre durch den Verlust des Identifikationsfaktors ‚Südkurve‘ einem Erosionsprozess ausgesetzt, die Selbstregulierung würde geschwächt, und eine Neufindung und -strukturierung wäre der angestrebten Verbesserung von Stadionsicherheit eher abträglich. Im Gegensatz zum o.g. größtmöglichen Abstand der Fanblöcke sollte in Erwägung gezogen werden, dass ein nicht unerheblicher Teil der Szene sich anstelle der abgelehnten Nordkurve eher in Richtung der an einen südlichen Gästebereich angrenzenden Sektoren orientiert, und entsprechende Unruheherde entstehen können. Verschiedene Einzelpersonen und Gruppen könnten dem Stadiongeschehen gänzlich fernbleiben, und für Fanprojekt wie Vereinsfanbetreuung wichtige Ansprechpartner und Multiplikatoren wegbrechen. Erfahrungen verschiedener Standorte lehren zudem, dass Phasen der Verunsicherung bzw. Um- und Neustrukturierung von Fanszenen oft ein Einfallstor für das (Wieder)Erstarken rechtsextremistischer Tendenzen darstellen.

    Ich wünsche den Verantwortlichen der Stadt Jena eine kluge Entscheidung auch und besonders im Interesse des Erhalts einer lebendigen Fankultur und zufriedenen Fanszene des FC Carl Zeiss Jena.

    Prof. h.c. Dr. Gunter A. Pilz


    Clemens Vöckler

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    Geschrieben von:  Stephan R.T.

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