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  • SG Dynamo Dresden, 11. November 2011

     

    Augenzeuge – der Wochenrückblick der Fangemeinschaft Dynamo mit dem Konzeptentwurf


    Von:  Stephan R.T.

    Am vergangenen Donnerstag hat die Fangemeinschaft Dynamo einen Konzeptentwurf an die Verantwortlichen der SG Dynamo Dresden übergeben. In ihm wird beschrieben, welche Wege und welche Maßnahmen wir für notwendig und sinnvoll erachten, um die präventive Fanarbeit bei Dynamo weiter zu optimieren, Vorkommnisse wie in Dortmund künftig weiter zu minimieren und damit den Trend der letzten Jahre noch erfolgreicher fortzusetzen.

    Unser Konzeptentwurf ist einer, dessen Inhalt ganz klar gegen den aktuellen Strom schwimmt. Er setzt komplett andere Prioritäten als die in den vergangenen Tagen wie aus dem Nichts aufgetauchten Heerscharen selbsternannter Experten und er enthält völlig andere Vorschläge als jene, die momentan regelrecht durch sämtliche Medien geprügelt werden.

    Über Verbote ganzer Fangruppen und über die Abschaffung von Stehplätzen wird da ernsthaft diskutiert, Auswärtsfahrverbote und personalisierte Karten als Heilmittel beschworen. Martin Kind, der Präsident von Hannover 96, fordert drastisch höhere Eintrittspreise und Chefpopulist Rainer Wendt von der Deutschen Polizeigewerkschaft will zum hundertsten Mal die Vereine an den Einsatzkosten beteiligen. DFB-Präsident Theo Zwanziger erfindet mit zorniger Stimme völlig absurde Kausalitätsketten zwischen Hassgesängen, Pyrotechnik und Gewalt und verlangt mit markigen Worten von Fußballvereinen Dinge, welche nach eigener Aussage nicht einmal die Polizei zu gewährleisten im Stande ist. Und selbst studierte Juristen, wie der von der SG Dynamo Dresden mit dem Fall ‚Pokalausschluss‘ beauftragte Rechtsanwalt Christoph Schickhardt, sind sich nicht zu schade, in der Öffentlichkeit mindestens indirekt Selbstjustiz und Faustrecht als legitimes Mittel zur sogenannten ‚Selbstreinigung‘ und Pflicht aller ‚wahren‘ Dynamofans zu propagieren.

    Der Konzeptentwurf der Fangemeinschaft Dynamo ist völlig anders. Die Arbeit an Ursachen ist für uns der einzige gangbare Weg und nicht etwas das wir „eigentlich auch ganz gut finden“. Strafen und Verbote sehen wir als legitimes Mittel, um damit nachgewiesene Vergehen Einzelner zu ahnden. Wer nachweislich etwas Falsches tut, muss die Konsequenzen tragen. Ohne Wenn und Aber. Strafen für Fangruppen, Fangemeinden und/oder Fußballvereine und sanktionierende Verbote sind jedoch nicht nur absolut unverhältnismäßig und rechtlich mindestens fragwürdig, sondern noch dazu praktisch auch völlig nutzlos und kontraproduktiv. Oder hat das schon immer geltende Verbot von Pyrotechnik nur einen einzigen ihrer Anhänger vom Zündeln abgehalten und wird es das künftig etwa tun? Wie sollen tausende personalisierte Karten denn an einem Stadiontor tatsächlich kontrolliert werden? Und welchen Fußball sollen leere Gästekurven, astronomische Kartenpreise und die Bestuhlung von Stehplatzblöcken eigentlich retten? Den völlig steriler Events á lá ‚Premier League‘ oder ‚Red Bull Leipzig‘ etwa? Nein, nichts von all den ganzen derzeit wieder einmal groß in Mode gekommenen populistischen Hau-drauf-Ideen wird irgendeinen effektiven positiven Wert haben. Sie sind lediglich Ausdruck von Hilflosigkeit, fehlender Professionalität und simplem Streben nach möglichst viel öffentlichem Applaus.

    Die Fangemeinschaft Dynamo setzt in ihrem Konzeptentwurf völlig andere Prioritäten. Wir setzen diese in dem klaren Bewusstsein, das sie dem aktuell vorhandenen Trend entgegenstehen. Die Grundpfeiler unseres Konzeptes sind die noch größere Unterstützung und Förderung all derer, die positiv für unseren Verein aktiv sind und der Ausbau eines noch umfassenderen, vereinseigenen Fanbetreuungsnetzes, auch und besonders auf dem Gebiet typischer Sozialarbeit.

    Unsere Vorschläge dazu sind konkret. Dynamofans brauchen mehr und neue Ansprechpartner und Bezugspersonen, egal ob bei Auswärtsfahrten oder dann, wenn es um ganz alltägliche persönliche Probleme und Schwierigkeiten geht. Fanvertreter sollten künftig intensiv in Spieltagsvorbereitungen eingebunden werden, dazu gehört auch die aktive Beteiligung an der Ausarbeitung von Sicherheitskonzepten. All diejenigen, besonders die ehrenamtlich Agierenden, die sich aktiv in Fanarbeit und Vereinsleben engagieren, brauchen noch bessere Arbeitsbedingungen. Hier beginnt unser aller Aufgabenfeld bei einem wasserdichten Dach über Fanbetreuerköpfen im Stadion und endet noch nicht bei der Schaffung einer ‚Vereinsheimat‘ in geeigneten Räumlichkeiten.

    Unbedingt und maßgeblich zu verbessern gilt es nach unserer Ansicht das persönliche Bewusstsein von Fans, ihrem eigenen Verein Schaden zuzufügen. Hier muss dringend daran gearbeitet werden, das Wir-Gefühl innerhalb des Vereins, also aller seiner Mitglieder und Fans zu erhöhen. Ein Mitglied, welches das Gefühl hat, mit all seinen Interessen in seinem Verein tatsächlich ernst genommen zu werden, wird mit geringerer Wahrscheinlichkeit dafür sorgen, dass dieser Verein Strafen zahlen muss. Fans, die sich in ihrem Stadion wirklich umfassend wohl fühlen, die sich nicht durch Gitterzäune oder Konfetti- und Nuckelflaschenverbote gegängelt und als nerviges Sicherheitsrisiko empfinden, werden wesentlich größere Skrupel haben, Farbbeutel oder Steine an die Fassade ihres Stadions zu werfen. Auch dann, wenn ein ungeliebter fremder Name dransteht. Und Fans, die sich in ihrem Bemühen um den Erhalt ursprünglicher dynamischer Fankultur als gleichberechtigt gegenüber den Interessen von Sponsoren und Vermarktern empfinden, werden sich sicher noch mehr ermutigt fühlen, denjenigen Fans, die sich außerhalb vereinsinterner Regeln stellen, noch eher und noch entschlossener entgegenzutreten.

    Unser Entwurf wird ganz sicher von manchen als falsch verstandene Rücksicht oder als Sozialarbeiterromantik abqualifiziert und als Relativierung und Tolerierung von Fehlverhalten und Straftaten verleumdet werden. Diese Stimmen wird es geben, es gibt sie bereits. Es gibt sie, auch wenn es nur sehr wenige sind, sogar innerhalb unserer Fangemeinde. Die Fangemeinschaft Dynamo geht dennoch das Risiko ein, in der gerade sehr lauten und sehr populären Meute der Hardliner nicht mitzuheulen. Wir tun dies ganz bewusst und wir tun es aus vollster Überzeugung. Wir tun es deshalb, weil es uns im Gegensatz zu den meisten der vielen selbst ernannten Sheriffs nicht darum geht, sich auf Kosten Dynamos zu profilieren, persönliche Interessen durchzusetzen oder von eigenen Fehlern und Problemen abzulenken. Unser Ziel ist schlicht und ergreifend, Dynamo für uns alle noch besser zu machen. Ganz praktisch und ganz pragmatisch, gemeinsam und nachhaltig. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Verantwortlichen und die überwältigende Mehrheit der Mitglieder und Fans der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden uns dabei unterstützen werden.

    Fangemeinschaft Dynamo

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    Geschrieben von:  Stephan R.T.

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