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  • Berliner AK 07, 03. September 2013

     
    „Im Moment läuft alles sehr gut“

    Die 34 ist die Nummer der Provinz Istanbul. Die 34 ist auch die Rückennummer von Serhat Akin, dessen Familie am Stadion von Fenerbahce Istanbul lebte. Überraschend für viele Fans und die Medien ist die Verpflichtung des 32-jährigen Stars, der im badischen Bretten aufwuchs und seine Karriere beim Karlsruher SC begann. Viele Meistertitel in der Türkei und in Belgien, 16 Einsätze in der türkischen Nationalmannschaft, Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2002, Champions League... der Mann hat eine Menge erlebt. Im Reha-Zentrum ViaVital in Berlin-Charlottenburg macht sich Serhat fit für seinen ersten Einsatz im BAK-Trikot. Mit schmerzverzerrtem Gesicht liegt er auf der Massagebank und kann nicht weglaufen. Die Gelegenheit ist günstig, dem sympathischen Neuzugang ein paar Fragen zu stellen.

    Herzlich willkommen beim Berliner AK 07. Dabei schien Deine aktive Zeit eigentlich schon vorbei.

    Ich habe ja zuletzt bei Altay Izmir gespielt und bekomme heute noch Angebote aus der Türkei. Aber das wurde mir dann zu stressig. Es wird viel versprochen und nicht eingehalten. Das mit BAK 07 war reiner Zufall. Ich habe einen Freund in Berlin besucht, und dann kam es dazu. Ich habe jetzt zwar eine Weile nicht gespielt. Aber ich denke, dass das gut klappt.

    Wie lange hast Du denn nicht gespielt?

    Ich bin jetzt knapp vier Monate lang ohne Spielpraxis. Aber ich habe ja bis vor Kurzem noch in der zweiten türkischen Liga gespielt, und da geht es auch richtig zur Sache. Ich kriege auch wegen meiner Unterschrift beim BAK weiterhin Angebote und Anfragen für Interviews aus der Türkei, zumal mit Bilal Cubukcu und Ugurtan Cepni hier ein paar gute Jungs sind, für die man sich in der Türkei interessiert. In der Türkei wird eine Menge darüber berichtet, dass ich hier bin. Das ist auch bestimmt für den BAK-Präsidenten Mehmet Ali Han sehr gute Werbung.

    Du hast die Spiele dieser Saison bislang nur von der Tribüne aus gesehen. Wie ist Dein Eindruck bislang?

    Gute Truppe. Im Moment läuft alles sehr gut. Wichtig ist aber, dass die Mannschaft auch nach ein paar Niederlagen zusammenhält und weiter zusammenwächst. Dann kommen wir unserem Ziel ein Stück näher. Ich habe ja auch in meiner Heimat beim Karlsruher SC in der Regionalliga gespielt. Aber der BAK ist viel weiter. Ich will da nicht unnötig Druck machen. Aber für das Mittelfeld der Liga oder darunter ist der Kader des BAK einfach zu stark, ebenso das Umfeld und der Trainer. Es gibt Niederlagen im Fußball. Aber wenn wir dann weiter zusammenhalten, wird es schwer den BAK aufzuhalten.

    Kanntest Du den Berliner AK 07 schon früher?

    Ich kannte den nur durch den 4:0-Sieg gegen die TSG Hoffenheim im letzten Jahr im DFB-Pokal. Ich interessiere mich zwar für untere Ligen vor allem in meiner alten badischen Heimat, aber in Berlin kannte ich mich nicht so aus.

    Jetzt liegst Du hier beim Physiotherapeuten Adrian Marklowski auf der Massagebank und weißt nicht, wann Du wieder fit bist. Verzeih die Ironie, aber haben wir uns jetzt einen Sportinvaliden geholt?

    Ich bin zwar verletzungsfrei, muss aber eine Menge nachholen. Die wollen natürlich, dass das so schnell wie möglich geht. Ich darf aber nichts überstürzen. Wenn der Trainer sagt: „Lauf!“, dann laufe ich. Aber bei mir ist es alles noch an der Grenze. Ich muss wieder Muskeln aufbauen, Krafttraining machen und an den freien Tagen Kondition pumpen. Insgesamt kommt das alles recht schnell zurück. Ich hoffe, dass ich am kommenden Wochenende beim Pokal-Spiel etwas Einsatzzeit bekomme.

    Das ist letztlich die Entscheidung des Trainers Engin Yanova.

    Auf jeden Fall! Engin Yanova ist gerade erst von Union II zum BAK gewechselt, macht Karriere und ist mit 36 Jahren noch recht jung. Da müssen alle Spieler, auch die Jungen für ihn mitspielen. Ich bin 32 und spiele das alles noch zwei oder drei Jahre runter. Ich möchte ihn da auf jeden Fall unterstützen. Er muss das selbst entscheiden und wird auch sehen, wann ich wieder fit bin.

    Er geht das Ganze ja auch mit viel Engagement und sehr professionell an.

    Das geht ja auch vor allem als Trainer sehr schnell. Erst kennt Dich niemand, und nach zwei Jahren bist Du berühmt. In meiner Heimat bei Karlsruher SC wurde letztes Jahr Jörn Andersen als Trainer entlassen und durch Markus Kauczinski von der U23 ersetzt. Bei diesem Kauczinski habe ich vor ein paar Jahren noch gekickt. Der Mann ist jetzt erster Trainer beim KSC. Bei Engin Yanova läuft das ja ähnlich. Er will`s wissen und ist enorm engagiert. Er ist stabil und wird seinen Weg gehen.

    Schön, dass Du Dich für den BAK entschieden hast und nicht für Hertha II oder so was. Dein Kumpel in Berlin ist Sami Allagui, der bei der Hertha spielt.

    Sami ist wie mein zweiter Bruder. Wir haben beim belgischen RSC Anderlecht zusammen gespielt. Er ist genauso alt wie mein Bruder Serkan, auch 86er Jahrgang. Eine tolle Zeit damals. Er hat mich danach immer nach Berlin eingeladen. Dann kam es schließlich dazu, dass ich die Einladung auch mal wahrnehmen konnte und traf Mehmet Ali Han vom BAK. Ums Geld ging es mir nicht. Ich will einfach nur spielen.

    Geld kann beim BAK bestimmt nicht der Auslöser für Deine Entscheidung gewesen sein. Außerdem hast Du Deine Schäfchen bestimmt schon im Trockenen.

    Das Geld war es definitiv nicht. Für mich war jedes Angebot des BAK-Präsidenten völlig in Ordnung. Ich wollte einfach nur hier sein und spielen. In Berlin ist viel Potenzial – auch, was meine türkischen Landsmänner angeht. Wenn so eine Mannschaft in die dritte Liga hochschießt, kann man da sehr viel rausholen. Ich habe ja schon viele Meisterschaften in meiner Karriere geholt. Aber eine mehr, wäre toll.

    Drei Meisterschaften mit Fenerbahce Istanbul, zwei mit RSC Anderlecht in Belgien, Champions League…, und dann man macht Kevin Kruschke für den Regionalligisten BAK in den letzten drei Minuten bei Lok Leipzig die einzigen beiden Tore der Partie. Der war doch unglaublich stolz. Wie fängt man so einen Jungen dann wieder ein?

    Man kann mit ihm darüber reden und allen Spielern was mit auf den Weg geben, wenn die das wirklich wollen. Manche sind da aber auch stur. Ich war ja auch mal jung. Da haben mich Stars wie Kennet Andersson, Nicolas Anelka oder Pierre van Hoojdonk bei Fenerbahce mitgezogen. Das, was die mir gegeben haben, würde ich auch den tollen Jungs wie Kevin Kruschke mitgeben. Ich habe immer nachgefragt und mir Tipps geholt. So ein Spielerleben ist sehr, sehr kurz. Wenn ich mit meinem Wissen heute 20 Jahre alt wäre, würde ich drei- oder viermal am Tag trainieren und alles geben. Du bist ruckzuck 30 Jahre alt. Die Jungen müssen jeden Tag Gas geben. Und dabei kann ich ihnen helfen. Das schöne Leben kommt von allein, wenn man alles erreicht hat.

    Nicolas Anelka zählt doch immer noch zu den Spielern, die die höchsten Transfererlöse erzielt haben oder Leute wie Garreth Bale, der für 100 Millionen Euro den Verein wechselt. Alles Jungs, mit denen Du auf dem Platz gestanden hast oder haben könntest. Und jetzt?

    Der Unterschied ist da. Anelka wollte mir mal sein Haus in Miami für 14 Millionen Dollar verkaufen. Ich sagte ihm, dass das bei mir leider nicht reichen würde. Also kein Vergleich. Aber ich habe ja auch mal klein angefangen. Ich war 19, als ich bei Fenerbahce unterschrieben hatte, ohne für den KSC je ein Profispiel absolviert zu haben. Es geht schnell. Irgendwann ist die Tür auf, und dann musst Du da durchgehen. Vielleicht gibt es beim BAK Spieler, denen das zu weit weg erscheint. Aber das ist nicht so. Als ich klein war und im badischen Bretten aufwuchs, war mein Traum der Karlsruher SC. Und dann war ich plötzlich bei Fenerbahce Istanbul in der Champions League…

    Deine Eltern sind Türken der ersten Generation. Haben die damals gesagt „Serhat, Du spinnst!“, oder haben die dich unterstützt?

    Mein Vater ist in Istanbul am Stadion von Fenerbahce aufgewachsen. Der hat mich voll unterstützt, weil da für ihn ein Traum in Erfüllung ging. Ich bin dann alleine rüber in die Türkei. Mein Bruder ging noch in Deutschland zur Schule, also blieben meine Eltern mit ihm in Deutschland. Serkan habe ich erst wieder bei Anderlecht getroffen, als wir gemeinsam mit Sami Allagui immer zu Dritt waren.

    Was war eigentlich das tollste Erlebnis Deiner Karriere?

    Die Weltmeisterschaft 2002. Ich war dabei, als wir mit der Türkei Dritter wurden. Das war meine zweite Saison bei Fenerbahce. Ich hatte 16 Tore geschossen, eine unglaubliche Performance – wahrscheinlich meine beste Zeit. In der U21 war ich ja ohnehin schon vier Jahre Kapitän gewesen und durfte dann mit zur WM.

    WM 2002, Champions League, Meistertitel und Pokale in der Türkei und in Belgien. Jetzt BAK!

    Ich sage jetzt nicht: „ich habe Champions League gespielt, was wollt Ihr von mir?“. Im Gegenteil. Man kann immer mit mir reden. Ich bin jetzt beim BAK in einer Mannschaft mit superlieben Jungs. Die haben alle das Potenzial hier was zu erreichen. Man muss abwarten. Die harten Zeiten mit Niederlagen kommen auch. Da müssen wir durch und als Mannschaft wachsen. Über uns redet keiner. Aber wir sind Geheimfavorit.

    Wir danken ganz herzlich für das Gespräch.

    Ich danke auch.

    Ingo Müller

    Zur Tabelle der Regionalliga Nordost

    Geschrieben von:  Stephan R.T.

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